Das Herz schlägt wieder für Fußball

Das Herz schlägt wieder für Fußball

01/03/2022

„Über alles hat der Mensch Gewalt, nur nicht über sein Herz“.

Ein Zitat desdeutschen Dramatikers und Lyrikers Friedrich Hebbel, das Raul Marte im Zeitraum desabgelaufenen Jahres am eigenen Leib erfahren hatte. Der Mittelfeldspieler vonAustria Lustenau musste nämlich aufgrund von Herzproblemen die ganzeerfolgreiche Herbstsaison seiner Mannschaft von der Tribüne aus verfolgen. Unddies mit zarten 19 Jahren, als Mensch, der gerade damit startete, seinen Traumals Profifußballer beim Zweitligisten zu leben. 

Erster Schutzengel

Am 1. Juli 2021,Marte steckte mit der Austria unter Neo-Trainer Markus Mader gerade mitten inder Saisonvorbereitung, hielt ein Schutzengel erstmals die Hand über dengebürtigen Bresner, als er am Abend mit dem Fahrrad nach Hause fuhr undherzbedingt kollabierte. „Ich war gerade auf dem Heimweg nach einemFußballspiel, als mir plötzlich übel wurde. Ich stieg vom Fahrrad, musste michübergeben und verlor darauf das Bewusstsein“,erinnert sich Marte. Zu seinem Glück sah ihn ein befreundeter Autofahrer, dersofort Rauls Vater informierte. „Ich dachte mir im ersten Moment nichts dabei,bin auch nicht ins Krankenhaus. Aber als ich die Geschichte meinem BeraterHannes Aigner erzählte, riet dieser mir, mich sofort untersuchen zu lassen.“Gesagt, getan. Die Diagnose war erschütternd. Bei den Untersuchungen stellteman bei Marte, der in dieser Zeit über starke Schmerzen litt, eineHerzmuskelentzündung fest. Die Ärzte, die keinen Grund für die Entzündung feststellen konnten,verordneten dem laufstarken Mittelfeldspieler eine vierwöchige Pause, „die ichdann aber selbst verlängerte. Ich wollte einfach auf Nummer sicher gehen“, soMarte, der zugibt, „dass ich richtig fertig war. Ich hatte Respekt vor der Krankheit,immerhin geht es da um das Herz. In dieser Zeit war ich negativ drauf,habe mir auch zusätzliche Probleme eingebildet.“

Den nächstenRückschlag erlitt Marte, immer noch im Reha-Modus, dann Mitte September. Vorden Augen seiner Familie kollabierte der 19-Jährige ein zweites Mal.Untersuchungen zeigten zum Glück, dass mit dem Herz soweit alles gut war. Dennoch löste dieser Vorfall einUmdenken beim ältesten der drei Marte-Kinder aus Brederis (eine Schwester/18und einen Bruder/15) aus, der weitere Ärzte kontaktierte und in Dr. Marc Sohmvom Olympiazentrum in Dornbirn eine große Hilfe fand. „Marc hat mir vor allembei der Ernährungsumstellung geholfen, die ja für die Blutwerte sehr förderlich ist.

Zudem wurde ich beieinem Spezialisten in Konstanz nochmal durchgetestet. Dort wurde mir gesagt,dass ich durchaus wieder langsaman leichtes Training denken kann“, blickt Marte auf diese Zeit zurück, „in derich auch wieder begann,positiv zu denken. Ich habe für mich das Motto ausgesprochen, alles Negativein Positives umzuwandeln. Dafür hab ich mir auch einiges an Literatur zugelegt,obwohl ich überhaupt keine Bücherratte bin“, erzählt der Maturant des BGMehrerau.

Wieder im Training

Seit sechs Wochensteht Marte wieder imTraining, ein eigens für ihn konzipiertesProgramm soll ihn wieder andie Kampfmannschaft heranführen. Während also seine Mitspieler im Urlaub sind,arbeitet Marte den Winter über an seinem Comeback. „Der Start war schwer, weilmir ja immer mein Herz im Kopfherumschwirrte. Aber jetzt macht es Spaß, denn ich habe wieder volles Vertrauen in meinenKörper.“ Weihnachten 2021 wird für Martesicher ein besonderes, „weil ja meine Familie und Freunde mitgelitten haben.Ihnen gilt mein ganzer Dank, sie haben mich in dieser schweren Zeit immer vollunterstützt“, und vergisst dabei auch nicht auf die Austria: „Es war schon tollzu sehen, als Haris Tabakovic nach einem Tor mein Trikot in die Höhehielt. Das hat mir einenMotivationsschub für das neue Jahr gegeben.“

Quelle: Lesen Sie Vollen Artikel