‘Der kotzende Hund’: Wirt der Jazzbar Vogler hat ein Buch geschrieben

‘Der kotzende Hund’: Wirt der Jazzbar Vogler hat ein Buch geschrieben

03/22/2021

Er versprach einen “Abend der Extraklasse”, einen Abend, an den sich die Gäste noch lange erinnern würden. Der italienische Komponist Paolo Conte zusammen mit Chansonsängerin Ute Lemper und der weltbekannten Jazzsängerin Dee Dee Bridgewater auf der Bühne. Nicht auf irgendeiner – natürlich – sondern auf seiner: im Vogler!

Nun ja: Der Abend im März 1998 blieb in Erinnerung. Bis heute erzählen die Stammgäste von dem Abend, an dem Thomas Vogler seinen Gästen einen etwas verfrühten Aprilscherz präsentierte. Auch er selbst verbreitet diese Geschichte noch gern.

130 Anekdoten in  “Der kotzende Hund”

Vogler hat nun um die 130 Anekdoten aus 23 Jahren Jazzbar Vogler in der Rumfordstraße zusammengestellt und als Buch veröffentlicht: “Der kotzende Hund” ist ein Projekt, dem sich Vogler während des zweiten Lockdowns im November und Dezember angenommen hat. Die meisten Geschichten hat er bereits in seinem Newsletter aufgeschrieben, den er wöchentlich an über 8.000 “Freunde der Jazzbar Vogler” verschickt, wie er selbst sagt.

Alle Geschichten haben sich in der Bar abgespielt, sind mal größer, mal kleiner, mal spektakulärer, mal nachdenklicher. Viele der Storys lassen einen schmunzeln, über andere liest man hinweg – das aber sind die wenigsten. “Der kotzende Hund” besteht aus Erzählungen eines Barbesitzers, die gleichzeitig seinen Kosmos und den des Münchner Publikums und der Stadt beschreiben. “Zugespitzt” seien die Texte, “aber immer wahr”, erklärt Vogler.

Whiskey statt Gin

Wenige Geschichten bestehen nur aus einer Zeile, zum Beispiel “Frauen”: “Gibt es in einer Bar. Geschichten gäbe es auch.” In anderen erzählt er von den Ursprüngen der Bar, als er noch keinen Drink mixen konnte. In “Cocktail” beschreibt er, dass er ein halbes Jahr das Getränk “Gin Fizz” mit Whiskey statt Gin verkaufte. “Irgendwann kam aber dann doch ein Gast und meinte glatt: ‘Entschuldigung, aber da ist doch kein Gin drin!’ Unverschämt, gell”, schreibt Vogler, der seitdem natürlich Gin statt Whiskey verwendet.

Doch momentan schenkt er weder Gin noch Whiskey aus. Im vergangenen Jahr hatte seine Bar nur an 63 Tagen offen. Da er keine Außen-Gastronomie anbieten kann, wird es wohl noch eine Weile dauern, bis er wieder Geschichten sammeln und seine Gäste begrüßen darf. Die melden sich momentan vor allem per E-Mail bei ihm, machen ihm Hoffnungen, spenden Geld, für ihn und für die Musiker. Sie alle sind auf die Corona-Soforthilfen und auf Spenden angewiesen. “Da merkt man, dass die vergangenen 23 Jahre nicht umsonst waren”, sagt er.

Vogler glaubt, dass er bei bleibender Miete ohne den Barbetrieb noch rund vier Monate überleben kann. Ein wenig spielt auch der Buchtitel auf den Ausnahmezustand an. Zwar kommt in dem Buch tatsächlich ein kotzender Hund vor, doch: “Wir Hunde in der Gastro”, sagt er, “wir kotzen doch alle gerade ein bisschen.”

Einleitung die längste Geschichte des Buches

Seine gute Laune will er sich nicht nehmen lassen – auch nicht von der Corona-Pandemie. In den vergangenen 23 Jahren habe es kaum ein Jahr gegeben, in dem er nicht am Rande des Ruins stand und zumindest für einen Moment dachte, dass der Mieter im Erdgeschoss an der Rumfordstraße 17 wieder wechseln würde.

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Denn bevor das Vogler hier eröffnete, waren hier innerhalb weniger Jahre eine Diskothek, ein Bistro und ein griechisches Restaurant. Das schreibt Vogler in der Einleitung, die mit 13 Seiten die mit Abstand längste Geschichte des Buches ist.

In all den Jahren sei es stets “ein Tanz auf dem Drahtseil” für ihn gewesen, sagt Vogler. Mittlerweile gibt es fast keine Livemusik mehr in Bars in München. Mit dem eigenen Buch zur Bar hat Vogler im Lockdwon ein weiteres Alleinstellungsmerkmal erschaffen. Eine launige Lektüre vor allem für Liebhaber der Münchner Musik- und Bar-, Kulturszene – und von Abenden der Extraklasse, die einfach mal schmunzeln möchten.

Thomas Vogler: “Der kotzende Hund” (Books on Demand, 9,99 Euro, im Buchhandel oder im Internet www.jazzbar-vogler.com oder telefonisch unter Tel: 089/29 46 62

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