Die Windsors und der Winkekatzenjammer – warum der Megxit richtig ist

Die Windsors und der Winkekatzenjammer – warum der Megxit richtig ist

01/14/2020

Meghan und Harry planen den Rückzug ins Privatleben, pfeifen auf die Krone und pendeln zwischen England und Kanada – und die Briten toben. Völlig überzogen, findet Micky Beisenherz.

Micky Beisenherz hält den Megxit für richtig

Der aktuelle Ermittlungsstand in der Causa #Megxit ist mir nicht bekannt, aber man kann fest davon ausgehen, dass zur Stunde bereits findige Redakteure einen lokalen Schamanen ausgemacht haben, der aus dem Biomüll von Meghan und Harry heraus liest, was genau die beiden planen. Es ist schon erstaunlich, was die Ankündigung der beiden Royal Renegades ausgelöst hat: Sondersendungen, Spekulationen, ja sogar Lippenleser wurden engagiert, um auch den letzten Rest an Information aus der Geschichte raus zu pressen. Worum geht’s hier eigentlich?

Mein Name ist Micky Beisenherz. In Castrop-Rauxel bin ich Weltstar. Woanders muss ich alles selbst bezahlen. Ich bin ein multimedialer 

(Ein-)gemischtwarenladen. Autor (heute Show, Extra3, Dschungelcamp), Moderator (ZDF, NDR, ProSieben), Gelegenheitskarikaturist. Es gibt Dinge, die mir auffallen. Mich teilweise sogar aufregen. Und da ständig die Impulskontrolle klemmt, müssen sie wohl raus. Mein religiöses Symbol ist das Fadenkreuz. Die Rasierklinge ist mein Dancefloor. Und soeben juckt es wieder in den Füßen

Meghan und Harry planen den Rückzug

Im Kern tritt ein Royal von seinen Ämtern zurück, um sich in Amerika in Ruhe ums Kind zu kümmern. Bei Prinz Andrew lief es noch genau umgekehrt herum. Meghan und Harry planen den Rückzug ins Privatleben, pfeifen auf die Krone und pendeln derzeit zwischen England und Kanada, es riecht nach Selbstverwirklichung. Was für ein Mitglied der Königsfamilie ein recht ungewöhnlicher Zug ist – scheint die Karriere doch vorgezeichnet.

Normalbürgern reicht beim Ausbruch aus dem bekannten Leben oft schon Seidenmalerei, Craft Beer brauen oder wenigstens ein eigener Podcast – die beiden allerdings gehen in die Vollen. Und in England herrscht eine Krisenstimmung als hätte Trump mit einer Drohne Prinz Philip erledigen lassen. Was der von der ganzen Sache hält, ist nicht überliefert.

Meghan – die amerikanische Yoko Ono

Was schade ist, ist der Mann für Diplomatie so bekannt wie die Queen für ihre Twerking-Moves. Die Briten toben – und die royal Co-schwangeren Deutschen gleich mit! Geht es nach den Reaktionen der Presse, scheint es leichter, bei den Bandidos oder den Mara-13 auszusteigen als bei den Windsors.

Klar, dass die Schuldige schnell ausgemacht ist: Kaum ist Harry mit dieser amerikanischen Yoko Ono zusammen, da dreht er durch und kriegt den Fluchtreflex. Beide wollen künftig unabhängig von der Öffentlichkeit sein, ihr eigenes Geld verdienen, und wenn man bedenkt, was allein der ganze Sicherheitsapparat kostet, kann man nur sagen: Viel Glück.

Megxit-Gipfel

Vorm Tee kurz die Familie retten – diese Zugeständnisse macht die Queen Harry und Meghan

Meghan spricht demnächst irgendein Vieh in einem Disney-Film, woraus findige Analysten schließen, dass sie demnächst Hollywood-Milliarden macht und Harry als willfähriger Trottel hinterher dackeln darf. Klar, es wäre vielleicht etwas eleganter gewesen, den beiden wäre dieser Emanzipationsschlag schon eingefallen, bevor man sich eine Hochzeit gönnt, gegen die sogar die von Verona Pooth (quasi unsere Meghan) abstinkt – aber auf diesen Moment zu verzichten, das kann man von einer Hollywood-Schauspielerin vermutlich nicht verlangen.

Gehen wir mal davon aus, die beiden meinen es ernst und leben künftig autark als britische Zamunda-Variante in Amerika. Dann bleibt schon die Frage: Warum der ganze Ärger? Das bisschen Grüßen und Grinsen, das kriegen Kate und William doch wohl noch mit gestemmt. Die scheinen das ohnehin viel besser zu finden. Wenngleich das Modell Monarchie zunehmend sinnlos erscheint. Gibt doch auch noch Teller mit anderen schönen Motiven.

Das für sich selbst nicht zu wollen, so verrückt ist das nicht

Gegen diesen unfassbaren Irrsinn, mit dem Boris Johnson und seine Brexit-Boys das Image der Insel zu Klump gebrext haben, kann ohnehin kein Royal der Welt gegen anwinken. Nachvollziehbar, dass sich die beiden das nicht mehr antun wollen und ein bürgerliches Leben anstreben. Was auch immer “bürgerlich” in diesem Falle bedeuten mag. Reihenhaus, Aldi und mit Archie samstags zum Ascheplatz wird es wohl eher nicht sein. Logo, es ist natürlich eine sehr zeitgemäß-schneeflockige Haltung, sobald es etwas unkommod wird, in den Sack zu hauen und zu sagen “ich will nicht mehr”. Fragen Sie mal nach in Handwerksbetrieben, wo nach dem zweiten Lehrjahr abgebrochen wird, weil “ich jetzt erstmal ein Jahr Me-Time brauche.” Und selbstverständlich kann man es so sehen, dass es nun mal Schicksal ist, als Royal in eine Kaste hinein geboren zu sein, aus der es kein Entkommen gibt.

Da kneift man mal neun Jahrzehnte die Arschbacken zusammen, gibt brav die Winkekatze, bis es dann zum Dudelsackkonzert in Moll runter in die Erde geht. Dann besteht das Leben daraus, vom Balkon zu grüßen, in bukkakepartyähnlicher Festtagsstimmung vor einem Halbkreis Fotografen in der Puddingschüssel rumzurühren – oder sich bei der Auslandsreise von Eingeborenen verarschen zu lassen, die sich extra für dich vermeintliche Stammestänze ausdenken, nur weil es lustig ist, diesen segelohrigen Prinzenotto wie einen Deppen aussehen zu lassen. Das für sich selbst nicht zu wollen, so verrückt ist das nicht.

Man kann den beiden echt nicht böse sein, dass es ihnen auf Dauer zu fade ist, von irgendwelchen Tellern oder Tassen zu grinsen. War es eingangs schon verständlich, dass ihnen die Aufmerksamkeit der Presse zuviel war, bestätigt der mediale Exzess der letzten Tage sie darin, dass es wirklich höchste Zeit ist, den Stecker zu ziehen. Das Leben ist kurz – wer wüsste das besser als der Sohn von Lady Di. Alles gut und richtig.

Solange sie nicht das “Freundschaft plus”-Modell verfolgen, sich alle Annehmlichkeiten und Vorteile rauszupicken, während man vom unangenehmen Teil verschont bleibt. Was nebenbei den schönen Effekt hätte, dass sie den Briten zeigen könnten, wie ein Leben losgelöst von der royalen Familie EU gelingen kann.

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