"I Can See Your Voice": Am Ende liegt Oliver Pocher immer falsch

"I Can See Your Voice": Am Ende liegt Oliver Pocher immer falsch

03/30/2021

Beim Auftakt der neuen Staffel von “I Can See Your Voice” liegen die Promis beim Erraten der vermeintlichen Sänger meist daneben. Oliver Pocher wird dabei seine Abneigung gegen Influencer zum Verhängnis

Alberne Verkleidungen, Gesang und die Frage, ob der, der da vor einem steht, wirklich ist, was er vorgibt zu sein – irgendwie kommt einem das bekannt vor. Stimmt, mit einem ähnlichen Konzept feiert “The Masked Singer” auf ProSieben seit kurzem riesige Erfolge. Die Nachahmer der ursprünglich südkoreanischen Show ließen nicht lange auf sich warten. Stefan Raab will demnächst mit “Fame Maker” eine Art umgekehrtes “The Voice” produzieren, bei dem die Sänger nicht zu sehen sind.

Auch “I Can See Your Voice” auf RTL geht in diese Richtung. Hier sind die Sänger zwar zu erkennen, stecken aber in Verkleidungen und singen zunächst zum Playback. Die zugrundeliegende Frage ist: Kann man jemand ansehen, ob er singen kann oder nicht? Schafft es ein Schwindler ins Finale, gewinnt er 10.000 Euro. Ist es ein Sänger, räumt ein sogenannter “Superfan” ab. Zum Auftakt der zweiten Staffel ist das Marlen, seit zehn Jahren Anhänger der Musikshow-Dauergäste The Boss Hoss. Sie wird von den beiden Bandmitgliedern bei ihren Entscheidungen beraten, ebenso wie von einem Rateteam, bestehend aus Ilka Bessin, Motsi Mabuse, Victoria Swarovski, Thomas Hermanns und Oliver Pocher.

Authentische Soundkulisse ohne Publikum

Moderiert wird “I Can See Your Voice” von Daniel Hartwich, der in das durchdesignte blauweiße Lichtshow-Studio in Karohemd und Jeans hereinschluppt, als käme er gerade aus dem Homeoffice. Das Publikum jubelt, klatscht, es wird gepfiffen – aber natürlich ist niemand da. Auf den Rängen sitzen nur Pappaufsteller. Trotzdem muss man dem Ton-Regisseur von RTL lassen: Nach ein paar Sekunden hat der Zuschauer tatsächlich vergessen, dass es sich nur um eine Soundkulisse handelt, so authentisch klingt das.

Auftritt für die vermeintlichen Sänger: “Der Radiomoderator”, “Die Krankenschwester”, “Die Mechatronikerin”, “Das Fitness-Model” und so weiter und so fort. Wenig überraschend schießt sich Oliver Pocher auf die Influencerin ein: “Die kann gar nichts!”, skandiert er. Mit diesem Konzept hat er schließlich seine eigene Karriere bei RTL wieder in Schwung gebracht. Der Rest der Jury hält dagegen, während Pocher immer weiter schimpft. Das geht gefühlte 15 Minuten so, dann diskutieren auch noch The Boss Hoss. Nur damit Superfan Marlen am Ende selbst entscheidet und jemand ganz anderen rauswirft: “Countryman”, der in Cowboystiefeln und mit schütterem langen Haar auf die Bühne treten muss, um zu beweisen, ob er singen kann oder nicht. Er setzt an – und schmettert überzeugend Elvis Presleys “Can’t Help Falling In Love”.

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Viel Gerede um nichts

So geht das nun über mehrere Runden. Die Kandidaten treten nach vorne, alle reden durcheinander und Oliver Pocher liegt falsch. Wie in Runde zwei, in der die Sänger und Sängerinnen zu ihrem vermeintlichen eigenen Playback performen müssen. Pocher hat mittlerweile mit seinem Dauer-Gefrotzel gegen das Fitness-Model alle so kirre gemacht, dass sie nach vorne muss, um zu singen. Wenn auch nach all den Anfeindungen zunächst ziemlich wacklig. Was Pocher dazu veranlasst, noch einmal nachzutreten: “Die singt doch nicht besonders gut!” Trotzdem liegt die Jury wieder falsch.

Das bleibt im Verlauf der Sendung so. “Der Faschingsjeck” – “Die Stimme passt zum Gesicht”, urteil Thomas Hermanns. Trotzdem kann der Mann singen. Stattdessen lassen die Promis sich von den Performances täuschen. “Die Mechatronikerin” entpuppt sich als veritable Tänzerin, “Der Anime-Fan” als “Die Eiskönigin”-Double. Bis der erste wirkliche Schiefsänger enttarnt ist, dauert es eine ganze Weile. Es ist “Der Radiomoderator”, der wohl für seine übertriebene Performance ein paar Boyband-Videos zu viel gesehen hat, aber eher klingt wie Justin Bieber, der mit den Stimmbändern in einen Rasenmäher geraten ist.

“Selten freut man sich über so schlechten Gesang”

Übrig bleiben am Ende “Der Anime-Fan” und “Die Krankenschwester”, die ins Kreuzverhör müssen. So wirklich überzeugend ist keine von beiden. “Die Krankenschwester” zählt die Red Hot Chili Peppers als ihre liebste Punkband auf, “Der Anime-Fan” kann sich nicht an den Namen des Tonstudios erinnern, in dem sie angeblich aufgenommen hat. Sie muss sich enttarnen und gibt sich alle Mühe, so schief zu krakeelen, wie sie kann. “Selten freut man sich über so schlechten Gesang”, urteilt die Jury.

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Nur, heißt das automatisch, dass “Die Krankenschwester” wirklich singen kann? Im großen Finale tritt sie mit The Boss Hoss auf, um deren Version von “One” aus der Feder von U2 zu schmettern. Sie setzt an – und schlachtet diesen doch eigentlich unantastbaren Song. Superfan Marlen verzieht das Gesicht, “Die Krankenschwester” freut sich. Sie hat alle getäuscht und 10.000 Euro gewonnen. Zumindest ein Trost dürfte allen bleiben: Wenn das Geld nach diesen letzten zwölf Monaten jemand verdient hat, dann wohl eine Krankenschwester.

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