Mensch oder Maschine – wer fährt sicherer?

Mensch oder Maschine – wer fährt sicherer?

09/21/2022

Ein LKW transportiert eine Lieferung von A nach B ganz ohne menschliche Hilfe – Zukunftsmusik oder Realität? Andreas Wendel von Kodiak Robotics erklärt, wie er diese Vision verwirklicht.

Den sichersten Fahrer der Welt erschaffen, das ist dasZiel den US-amerikanischen Startups Kodiak Robotics. Als Chief TechnologyOfficer (CTO) des Unternehmens arbeitet der gebürtige Vorarlberger AndreasWendel mitten im Silicon Valley an hochtechnischen Lösungen, um denGütertransport zu automatisieren.

Kodiak Robotics entwickelt automatisierte LKW – wie funktioniert das?

Das System, genannt kodiakDriver, nimmt zuerst mit Sensorenwahr, was in der Umgebung vorgeht. Dann berechnet der Computer den besten Pfaddes LKWs und steuert den LKW dementsprechend. Mehr als 10-mal pro Sekundewerden neue Informationen in Betracht gezogen. Sicherheitsfahrende, die dabeisind, greifen nur ein, wenn sie mit der Fahrweise nicht einverstanden sind. Wirsimulieren dann, wie das System ohne den Eingriff reagiert hätte und passen dieEntwicklung an. Seit 2020 gibt es regelmäßig Fahrten, bei denen keine Eingriffemehr nötig sind.

Selbstfahrende Fahrzeuge, für viele ein befremdlicher Gedanke: Doch welcheVorteile haben diese?

Über 90 Prozent aller Unfälle auf öffentlichen Straßenwerden von menschlichem Fehlverhalten verursacht. Im Gegensatz dazu wird einautomatisierter Fahrer nie müde und verwendet kein Handy am Steuer. Neben dererhöhten Sicherheit spielt der chronische Fahrermangel eine große Rolle. In denUSA fehlen derzeit mehr als 80.000 Fahrende – und in Europa genauso.

Braucht man in Zukunft trotz selbstfahrender LKW immer noch Fahrer:innen?

Ja, absolut. Kodiaks Plan ist es, Ladungen mit lokalenFahrenden beim Kunden abzuholen und zu einem Umschlagplatz nahe der Autobahn zubringen. Von dort geht es dann fahrerlos zum nächsten Umschlagplatz, wo der LKWwieder von einem lokalen Fahrenden abgeholt wird. Damit werden die menschlichenFahrer:innen als auch der kodiakDriver dort verwendet, wo sie ihre Stärkenhaben.

In den USA sind bereits selbstfahrende Trucks unterwegs, warum ist es inEuropa noch nicht so weit?

In vielerlei Hinsicht wäre diese Technologie in Europaeinfacher zu etablieren als in den USA, da Straßen und Raststationen gutgewartet sind. Die Gesetzgebung in Europa hinkt aber noch nach, nur Deutschlandist hier Vorreiter.

Wie sieht Ihre Vision in diesem Bereich aus?

In drei bis vier Jahren wird Kodiak zeigen, dass wir denStandard eines menschlichen Fahrers erreicht haben. Dann können wir auf denSicherheitsfahrer verzichten und skalieren – auf vielen LKW und auf vielenStrecken, auch international.

Andreas Wendel
Alter: 38
Wohnort: Mountain View, Kalifornien
Firma: Kodiak Robotics, Chief Technology Officer
Mich inspiriert: Meine Kinder – sie lernen viel schneller als jeder Computer

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