Mit Metalltechnik zum Erfolg

Mit Metalltechnik zum Erfolg

04/19/2022

2021 war unter den drei beliebtesten Lehrberufen bei den Mädchen erstmalsdie Metalltechnik vertreten. Für diesen Beruf entschieden sich auch die Zwillingsschwestern Nina und Kim Vetter.

Inzwischensind sie beide Werkmeis­terinnen und die ersten weiblichen Werkstattlehrerinnenan der HTL in Bregenz.

Während Nina als CNC-Fachkraft beim Maschinenbauunternehmen Kral in Lustenau arbeitet, entschied sich ihre Zwillingsschwester Kim hingegen als CNC-Fachkraft für das Lustenauer Maschinenbauunternehmen Zimm. „Es ist ein sehr schöner Beruf, weil wir abwechslungsreiche Tätigkeiten haben“, sind sich beide einig. „Man kann sich extrem viel Wissen aneignen, Dinge ausprobieren oder mit Kreativität aus einem Metallstück sehr viel herausholen.“ Für Kim ist auch die Genauigkeit faszinierend: „Wenn man ein Haar hernimmt und das zehn Mal spaltet, so fein kann das Werkstück bearbeitet werden.“ Ninas CNC-Karriere begann mit einer 4-jährigen Metalltechniklehre mit dem Hauptmodul Maschinenbautechnik und dem Zusatzmodul Konstruktionstechnik. Kim startete mit der Metalltechniklehre und dem Hauptmodul Zerspanungstechnik durch.

Ihr seid beide die ersten Werkstatt-Lehrerinnen an der HTL Bregenz. Wie funktioniert das?

Wir haben beide nach absolvierter Lehre und zwei anschließenden Jahren Berufserfahrung den ‚Werkmeister‘ in Maschinenbau und Betriebstechnik mit ausgezeichnetem Erfolg am WIFI abgeschlossen und waren dort schon Vorreiterinnen. Da haben wir auch viel nützliches Hintergrundwissen mitbekommen. Danach haben wir uns auf die freien Stellen an der HTL beworben und unterrichten dort jetzt seit September 2021 je einen Tag pro Woche die Fächer CNC-Drehen und CNC-Fräsen. Im Werkstattunterricht haben wir die Räume nebeneinander, die Schüler:innen sind in Kleingruppen aufgeteilt. Es gibt ein Rotationssystem und so haben wir auch immer wieder andere Schüler:innen. Darunter sind auch zwei Mädchen. Das Unterrichten ist eine schöne Abwechslung zum eigenen Berufsalltag im Unternehmen.

Wie ist es für euch, in der Metalltechnik bzw. in der CNC-Technik zu arbeiten?

Zu Anfang waren die Kolleg:innen und die Leute in unserem Umfeld zurückhaltend und skeptisch. Von Zuhause hatten wir immer einen starken Rückhalt. Bei Kral GmbH ist es jetzt aber kompletter Standard, Frauen im Team zu haben. Ich bin zwar die einzige Frau in meiner Abteilung, aber eine unserer Lehrmädchen ist auch gerade fertig mit ihrer Lehre. Meine Kollegen finden es gut, dass ich als Frau die gleiche Arbeit wie sie mache und es bringt ja auch Abwechslung und neue Denkweisen in ein Team. Bei Kim im Unternehmen Zimm GmbH sind es inzwischen sogar drei fertig ausgebildete Frauen. Die Vorurteile der Gesellschaft gibt es so auch nicht mehr, dass man schwer heben muss oder dreckig wird. Die Automatisierung ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass körperliche Hindernisse überwunden werden können.Die heutigen Maschinen sind alle geschlossen und so verteilt sich auch keinDreck. Wenn wir dann doch Unterstützung brauchen, bekommen wir diese natürlichimmer im Team. Unser Freundeskreis war anfangs auch zwiegespalten, aberinzwischen hat sich jeder weiterentwickelt und keine:r muss in eine Schubladepassen. Manchmal sind wir schon selbst erstaunt, wo wir mit unseren 24 Jahrenbereits gelandet sind.

Was brauchen Mädchen, um diesen Berufsweg zu gehen?

Offenheit und man muss sich trauen, aus dem gewohnten Umfeld hinauszutreten. Zudem sollte es noch mehr Möglichkeiten für Schnuppertage außerhalb der Schulferien geben. Auch wenn jeder sagt, dass verschiedene Berufe nichts für ein Mädchen sind, sollten sie es trotzdem machen und sich diese ansehen. Eine Erfahrung ist es immer wert. Wenn man sich nicht allein traut, ist es hilfreich, gemeinsam mit Freund:innen zu den Schnuppertagen zu gehen. Die Männerwelt hat es mit den Frauenberufen auch nicht einfacher. Dabei sind wir alle gleich, egal ob Frau oder Mann. Auf jeden Fall ist es wichtig, in sich hineinzuhören, welche Ausbildung und welche Berufsrichtung für einen selbst die richtige ist.

Nina, bei welchen Projekten beim Mädchenverein Amazone hast du dich engagiert?

Ich war unter anderem beim Projekt „I kann’s“ dabei, an dem Kral GmbH und andere Unternehmen aus der Region beteiligt sind. Jedes Jahr werden Techniktage für Mittelschul- und Gymnasiumklassen organisiert, um gemeinsam mit den Mädchen Roboter zusammenzubauen, individuell zu gestalten und zu programmieren. Auch wenn sich die Mädchen am Anfang das Zusammenbauen und Programmieren nicht zutrauten, bekamen wir am Schluss immer super Feedback von ihnen und sie haben bemerkt, dass die das ja eben doch können. So kann man den Mädchen auf spielerische Art und Weise Technik, Konstruktion und Handwerk näherbringen. Eine Idee ist hier sicherlich auch, den Werkunterricht in den Schulen gemischter zu gestalten, wo auch Jungs mal zum Stricken und Nähen müssen, genauso wie die Mädchen lernen, mit Hammer und Säge umzugehen.

Wie sind eure Tage durch Arbeit und Freizeit strukturiert?

Wir arbeiten in Schichten und können uns dadurch die Freizeit gut einteilen, denn wir haben immer den halben Tag frei – entweder vormittags oder nachmittags. Im Sommer können wir dann schwimmen gehen, wenn wenig Leute sind und im Winter haben wir in unserer Freizeit noch Tageslicht. Das erlaubt es uns auch, mit Freund:innen oder der Familie ohne Stress Dinge zu unternehmen. Sowohl die Früh- als auch die Spätschicht haben ihre Vorteile.

Was sind eure nächsten Ziele?

Das lassen wir uns jetzt noch komplett offen. In der aktuellen Situation sind wir zufrieden wo wir sind.

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