“Siegfried” von Ferdiun Zaimoglu und Günter Senkel

“Siegfried” von Ferdiun Zaimoglu und Günter Senkel

09/01/2019

„Siegfried“ von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel in der Kulturbühne Reichshof

Am Ende drückt er den kleinen Siegfried und alles andere einfach weg: Der Geist Richard Wagners in Gestalt eines übergroß sich aufblasenden weißen Balls, der den kompletten Raum ausfüllt und die große kreisrunde Deckenleuchte endlich ihre Bestimmung als überdimensionaler Heiligenschein erfüllen lässt. Siegfried Wagner, der Sohn, verschwindet und verstummt unter diesem erdrückenden Erbe, das trotz ein paar brauner Flecken als Monument und Projektionsfläche für die Zukunft erhalten ist.

Zwei Stunden lang hat Siegfried in der Kulturbühne Reichshof geflüstert, getobt, geschrien, gelacht und gewürgt: im Schauspiel „Siegfried. Ein Monolog“ bei Diskurs Bayreuth, dem Rahmenprogramm der Bayreuther Festspiele. Das gut eingespielte Autoren-Duo Feridun Zaimoglu und Günter Senkel hat sich für das Auftragswerk der Festspiele der Person Siegfried Wagner (1869-1930) genähert, dem dritten Kind von Richard Wagner und dessen zweiter Ehefrau Cosima.

Erbe des Über-Vaters

In Bayreuth kennt man ihn ja: Er war der vom Vater erkorene „Thronfolger“, seit 1908 Festspielleiter auf dem Grünen Hügel. Schwul war er, dennoch hat er 1915 die um 28 Jahre jüngere Winifred geheiratet, und er ist der Vater von Wieland, Friedelind, Wolfgang und Verena Wagner. Wenige Selbstzeugnisse sind erhalten, daher hatten die Autoren viel Raum, Siegfried, „einem großen Deutschen“, „eine Stimme zu geben“, wie Zaimoglu es im Einführungsgespräch benennt.

Ihr Siegfried ist ein Mann mit sichtbar zwei Gesichtern. Der Monolog spielt 1915 und 1930, besetzt mit einem jungen Siegfried (Felix Axel Preißler, Ensemblemitglied des Schauspiel Leipzig) und einem reiferen (Felix Römer, Ensemblemitglied der Berliner Schaubühne), die jedoch stets gemeinsam auftreten. Da wird der wortstarke Monolog zum Dialog mit sich selbst, unterstützt durch Video- und wagnermusikfreie Klangeffekte.

Lebenslustig und pragmatisch ist dieser Siegfried, aber auch konfliktbeladen und gequält – von Geldsorgen, dem Clan, dem Erbe des Über- Vaters, der Sexualität, dem Krieg, dem aufkommenden Faschismus und Antisemitismus und der Bayreuther Gesellschaft, der er doch immer der Sohn aus „andersfarbiger Kiste“ ist.

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