Ursachen und Hilfe

Ursachen und Hilfe

04/09/2021

Überforderung: Definition des Begriffes

Bereits 1908 fanden die amerikanischen Psychologen Yerkes und Dodson heraus, dass Stress unsere Leistungsfähigkeit bis zu einem gewissen Punkt fördert. Zu viel Stress hat jedoch negative Auswirkungen und es entsteht das Gefühl, überfordert zu sein.

Die Überforderung selbst kann dabei unterschiedliche Ursachen haben. Oft sind es zu viele Aufgaben gleichzeitig, hoher Zeitdruck, wenig Freizeit und emotionale Probleme. Wann ein Mensch sich überfordert fühlt, ist dabei individuell. Während eine Person eine Situation als stressig empfindet, ist eine andere Person in derselben Situation noch völlig entspannt.

Wann sind wir überfordert?

Überforderung ist folglich eine Frage der eigenen Einschätzung einer Situation. In der Psychologie spricht man auch vom Umgang mit Ressourcen, der dafür entscheidend ist. Als Ressourcen zählen unter anderem unser soziales Umfeld und das eigene Selbstvertrauen.

Wer schon vor der kleinsten Hürde Angst hat, der fühlt sich natürlich schnell überfordert. Demgegenüber gibt es Menschen, die sich eher überschätzen und erst sehr spät ein Gefühl von Überforderung wahrnehmen oder es ignorieren. Oftmals tritt Überforderung also ein, wenn wir die Überzeugung haben, etwas nicht schaffen zu können.

Überforderung auf der Arbeit

Stress und Unzufriedenheit im Job sind leider keine Seltenheit. Wenn die Arbeit dauerhaft keinen Spaß macht, dann hinterlässt das Spuren. Viele Arbeitnehmer fühlen sich nicht mehr gesund und haben Probleme, alle Aufgaben zu bewältigen.

Oft ist das Streben nach einer Beförderung oder die Angst, nicht gut genug zu sein, so hoch, dass die eigene Überforderung gar nicht erkannt oder ignoriert wird. Arbeitnehmer erscheinen krank zur Arbeit oder machen Überstunden ohne Ende.

Überforderung: Symptome

  • Häufige Krankheiten
  • Permanent matt, müde und erschöpft
  • Gang zur Arbeit kostet Überwindung
  • Überstunden nehmen ständig zu
  • Privatleben kommt zu kurz und leidet
  • Unsicherheit und Angst im Umgang mit der Situation

Überforderung als Strategie

Stress kann nicht nur Folge von Überforderung sein, sondern oft auch als Strategie bewusst genutzt werden. Gerade in Unternehmen können Vorgesetzte Angestellten bewusst Stress machen, um sie klein zu halten und zu zeigen, dass sie immer alles tun müssen, um nicht ersetzt zu werden.

Gleichzeitig können auch Arbeitnehmer bewusst Stress in Kauf nehmen oder gar simulieren, um die eigene Arbeitsmoral zur Schau zu stellen. Ziel kann es sein, damit den Vorgesetzten zu beeindrucken und der Gehaltserhöhung oder dem besseren Job näher zu kommen. Umso höher jedoch die eigene Position ist, umso weniger gestresst wollen sich die Menschen zeigen, um nicht als schwach wahrgenommen zu werden.

5 Tipps gegen Überforderung

Im Jetzt bleiben
Überforderung ist oft das Gefühl, einfach zu viele Dinge bewältigen zu müssen. Dann verlieren wir uns in Gedanken und schieben die Dinge sogar eher noch weiter auf. Bleiben Sie im Jetzt und fokussieren Sie sich auf die derzeitige Situation. Viele Probleme existieren nur als Schreckensszenario in unserem Kopf. 

Tipps, um in den Moment zurückzukehren, gibt es einige. Um es nicht zu verkomplizieren, können Sie Ihren Körper nutzen, um ins Jetzt zu gelangen. Spüren Sie wie sich Ihre Zehen bewegen, achten auf Sie auf Ihre Atmung. Konzentrieren Sie sich auf die Geräusche in der Umwelt und schauen Sie mit Ihren Augen was Sie sehen. Nehmen Sie also mit allen Sinnen das Leben wahr.

Beobachterperspektive einnehmen
Wer sich überfordert viel, der sieht nur seinen Berg an Aufgaben und fokussiert sich ganz auf die eigenen Probleme. Versuchen Sie, etwas Abstand zu den eigenen Gedanken aufzubauen, indem Sie eine Beobachterperspektive einnehmen. Schauen Sie dabei wie aus einer Art Vogelperspektive auf sich und sehen Sie Ihre Situation viel objektiver.

Freunden können wir oft die besten Ratschläge geben, weil wir genug Abstand haben. Diesen Abstand benötigen wir auch für uns, um mit einer Überforderung an Aufgaben umzugehen. Machen Sie sich klar, dass es für jede Situation eine Lösung gibt und dass selbst der schlimmste Ausgang nicht das Ende der Welt bedeutet. 

Wir denken oft viel zu negativ und haben keinen Blick für die positiven Dinge. Mit etwas Abstand merken wir, dass unser Leben nicht nur Aufgaben und Probleme beinhaltet, sondern auch Menschen, die wir lieben und Dinge, die uns Spaß machen.

Prioritäten setzen
Überforderung tritt oft auf, weil wir den Überblick über die Situation verlieren. Zu viele Aufgaben und zu wenig Zeit sind oft eine schlechte Kombination. Ein gutes Zeitmanagement ist daher sehr wichtig.

Prioritäten setzen bedeutet auch, unwichtige Dinge zu erkennen und entweder zu delegieren oder ganz zu streichen. Es gibt Menschen, die können sehr schlecht Arbeit abgeben. Sie haben immer das Gefühl, andere Menschen könnten ihre Tätigkeiten nicht so gut erledigen. Dieses Perfektionsstreben bringt uns jedoch schnell an unsere Grenzen und führt direkt in die Überforderung.

Wenn Sie Ihren Alltag insgesamt besser bewältigen wollen, zeigen wir Ihnen genau, wie das geht: Von der Einordnung der Aufgaben mit der ABC-Methode bis zur ALPEN-Methode für einen gut organisierten Alltag, finden Sie hier Tipps.

Ausgleich und Pausen
Pausen sind im Prinzip Teil eines guten Zeitmanagements. Jede herausfordernde Situation kostet uns Energie und diese Energie müssen wir immer wieder aufladen. Guter Schlaf ist dafür die Grundvoraussetzung. 

Doch gerade tagsüber versuchen viele Menschen, einfach mehr Aufgaben in weniger Zeit unterzubringen und auf Pausen zu verzichten. Diese Strategie mag für kurze Zeit sogar mal funktionieren. Langfristig führt es uns jedoch in die Situation, in der wir uns überfordert und nicht allzu gesund und fit fühlen.

Teilen Sie sich Ihre Aufgaben in Blöcke ein und lassen Sie immer einige Minuten als Pausen dazwischen. Gehen Sie mindestens einmal pro Tag nach draußen und tanke frische Luft und legen Sie auch mal das Smartphone beiseite und entspannen für einige Minuten.

Hilfe holen
Manchmal bringen alle Tipps gegen Überforderung nichts, wenn die Qualität und Quantität an Aufgaben einfach nicht zu bewältigen ist. Gerade auf der Arbeit sollten wir dann das Gespräch mit unserem Vorgesetzten suchen. Es ist selten gesund, alles mit sich selbst auszumachen.

Vielleicht ist auch unsere Erwartung und das Streben nach Perfektion der Grund, warum wir eine Überforderung wahrnehmen. Oder die Unklarheit, was der Vorgesetzte eigentlich genau von uns fordert. 

Ein Gespräch schafft Klarheit und kann uns den inneren Druck nehmen. Und wenn es uns zu viel wird, ist es kein Zeichen von Schwäche auch mal Aufgaben abzugeben oder Kollegen zu fragen, wie sie eine Situation bewältigen würden.

4 Fehler im Umgang mit Überforderung

Abstreiten
Wie oft denken Sie sich: “Ich komme schon klar, ich darf mich nicht so anstellen”? Zumal wir dann das Gefühl haben, dass unsere Probleme im Vergleich zu anderen Menschen doch banal wären.

Doch wenn wir wirklich fühlen, dass uns eine Situation fertig macht und wir keine kurzfristige Lösung haben, dann sollten wir uns das auch zugestehen. Wer zum Beispiel dauerhaft mit einer Arbeit unzufrieden und überfordert ist, läuft Gefahr, einen Burnout zu bekommen. Wichtig ist es, die Lage realistisch und ehrlich einzuschätzen.

Ablenkung
Ablenkung kann, insbesondere als Form der Verdrängung, ebenfalls ein Fehler im Umgang mit Überforderung sein. Natürlich ist es hilfreich, neben der Arbeit Hobbys zu haben und Dinge zu machen, die Spaß bringen.

Doch wenn Ablenkung von der Überforderung nur dazu führt, dass wir unser schlechtes Gefühl verdrängen, aber nie wirklich loswerden, dann ist es besser, sich mal Zeit zu nehmen, um nach Lösungen zu suchen. Was überfordert mich genau? Wen kann ich um Hilfe fragen? Wie komme ich ins Tun?

Opferrolle
Überforderung führt oft direkt ins Selbstmitleid. Viele Menschen jammern zum Beispiel über Probleme und sind neidisch auf andere Menschen, die ihr Leben scheinbar besser bewältigen. Schuld ist der Vorgesetzte, der Stau, der Partner – wir tun gut daran, die Verantwortung lieber bei uns zu suchen.

Die Strategie der Opferrolle hilft kurzfristig, um sich besser zu fühlen. Doch langfristig löst sie keines unserer Probleme und verkennt die Tatsache, dass wir für unsere Leben selbst verantwortlich sind. 

Wir haben unser Leben selbst gewählt und können es nur selbst verändern. Die Überforderung zu fühlen und sich dann als Opfer zu sehen, führt selten ins Tun und lässt uns in Trägheit verharren. Alles andere als gesund für die Psyche.

Übereifer
Das Gefühl, eine Aufgabe nicht meistern zu können, führt zu unterschiedlichen Strategien. Während manche Menschen zum Beispiel vor lauter Aufgaben in Trägheit versinken, versuchen andere Menschen, mit letzter Kraft alles zu meistern oder sich gar noch mehr Aufgaben zu beschaffen.

Dinge aktiv anzugehen, ist nicht per se schlecht. Doch wenn wir überfordert sind, dann hilft es uns selten. Es ist schwierig, dagegen anzukämpfen, wenn uns vielleicht wichtige Ressourcen fehlen. Wieder hilft es, die Lage realistisch einzuschätzen und sich Hilfe zu holen bzw. Aufgaben zu delegieren oder wegzulassen.

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