„Versicherer sollen mehr zum grünen Wandel beitragen“

„Versicherer sollen mehr zum grünen Wandel beitragen“

10/09/2020

Um die Investitionenin einen klimaschonenden Aufbau und Umbau der Wirtschaft anzukurbeln, brauchtes nicht nur staatliche Gelder, sondern vermehrt auch private Mittel.

Eine wichtige Rolle wird dabei derVersicherungsbranche zukommen, wo es um eine nachhaltige Veranlagung vonPrämien geht. Hoffnungen ruhen auch auf anderen institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds.Mittlerweile gibt es freiwillige Zusammenschlüsse von Finanzinstituten, diesich eigene Klimaziele setzen.

Kapitalmobilisieren

Die öffentliche Hand wird die anstehendenFinanzierungen für Klimaziele und nachhaltiges Wirtschaften nicht alleinestemmen können. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) will dafür auchInvestitionskapital aus dem Privatsektor mobilisiert wissen. Corona- undKlimakrise haben heuer die österreichische Aufsichtskonferenz beherrscht. Immerteurere Klimarisiken stellten auch Banken und Versicherer vor großeHerausforderungen. Dass 2019 rund 150 Mrd. Dollar an Naturkatastrophenschädenanfielen, war in den Augen von UNIQA-Chef Andreas Brandstetter schon dramatischgenug. Davon sei nur ein Drittel versichert gewesen. Für 100 Milliarden musstenSteuerzahler aufkommen.

NeueVersicherungsmodelle

Gemischte öffentlich-private Finanzierungsmodelleoder Naturkatastrophen-Pflichtversicherungen werden vielerorts diskutiert, auchin Österreich. Brandstetter ist dafür, das Übel an der Wurzel zu ­packen – alsodarauf zu achten, dass die europäische Versicherungswirtschaft ihre riesigenFinanzinvestmentströme in die richtige Richtung lenkt. ­Finanzhäuser undAufseher erklärten die Notwendigkeit, die Geschäftsmodelle der ­Finanzdienstleisterauf mehr Nachhaltigkeit auszurichten. Dazu brauche man aber klare undverlässliche Kriterien und Klassifizierungen, was als nachhaltig einzustufensei. Einerseits für die „Bepreisung“, anderseits um „greenwashing“ zuverhindern.

Es sei nicht alles grün, was mit Sonnenblumen,Regenbögen und Bienen verpackt und verkauft werde, warnen die Aufseher mitBlick auf boomende grüne Produkte, die von ihren Anbietern nicht seltenum­gefärbt würden.

Märkteetablieren

Es müssten Märkte für nachhaltige Finanz- undFinanzierungsprodukte etabliert werden. Die FMA-Vorstände Helmut Ettl undEduard Müller warnten aber davor, Regulierung und Aufsicht zumSteuerungsinstrument für Investitionen umzufunktionieren, wie das – inÖsterreich und in der EU – zum Beispiel in Form bevorzugter geringererEigenkapitalanforderungen bei Banken für „grüne Kredite“ unter dem Schlagwort„green supporting factor“ gefordert würde. Investitionsanreize seien nichtSache der FMA, sondern der Fiskal- und Strukturpolitik.

Gewessler und Müller wollen die tiefeWirtschaftskrise, die die Corona-Pandemie ausgelöst hat, nicht verstreichenlassen, ohne sie für die Klimawende zu nutzen.

Zitat:

Ein kluger Klimaschutz kann den Weg aus der Krise weisen. Die Krise muss für die Klimawende genutzt werden.Leonore Gewessler, Klimaschutzministerin

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