Aushelfen am Telefon und im Lager

Aushelfen am Telefon und im Lager

04/28/2020

Die Münchner Philharmoniker unterstützen die Stadtverwaltung und telefonieren mit ihren Abonnenten

Bald nach der Schließung der Theater, Konzertsäle und Bibliotheken forderte Oberbürgermeister Dieter Reiter die nach Hause geschickten Mitarbeiter dazu auf, auf freiwilliger Basis wegen Erkrankungen und zu betreuenden Kindern ausgedünnte Behörden der Stadt zu unterstützen. Der Brief erreichte nicht nur Lehrer der städtischen Schulen, sondern auch die Münchner Philharmoniker, deren Konzertbetrieb derzeit ruht.

Rund 80 der 126 Musiker des Orchesters der Stadt meldeten sich. Einige, die keine deutschen Muttersprachler sind, hatten Hemmungen, an einem Bürgertelefon Anrufe entgegenzunehmen. Der Rest versucht zu Hause seine Spielfähigkeit zu erhalten und wartet auf ein Ende des Veranstaltungsverbots.

Im Lager und am Telefon

Der Geiger Nils Schad hilft derzeit im Logistikzentrum, das die Landeshauptstadt zur Verteilung von Schutzmasken und anderem medizinischen Material in der Kleinen Olympiahalle eingerichtet hat. Die Bratscherin Beate Springorum hingegen arbeitet in der Telefonzentrale der Städtischen Berufsfeuerwehr, in der die Fäden bei der Verteilung des Materials zusammenlaufen. Andere Musiker wie der Konzertmeister Julian Shevlin beantworten an Bürgertelefonen Fragen aus der Bevölkerung.

Die Musik kommt trotzdem nicht zu kurz. Beate Springorum hat in dem Gebäude der Telefonzentrale ein Zimmer entdeckt, in dem sie ungestört – und ohne andere zu stören – in den Pausen Bratsche üben kann. Denn ein Berufsmusiker muss sich auch in Spielpausen auf dem Instrument für den Moment fit halten, in dem es wieder los geht.

Beate Springorum hofft – wie alle ihre Kollegen – bald wieder für die Münchner im Gasteig spielen zu dürfen. Aber mit normalen Konzerten vor 2500 Leuten rechnet sie so schnell nicht. Zwar wäre es sicher kein Problem, nur einen Teil der Plätze in der Philharmonie zu besetzen, das organisatorische Drumherum eines Konzerts mit Pausen und der Nähe unter den Musikern hinter der Bühne macht es schwierig. Und angesichts der geltenden Reisebeschränkungen und Quarantäneregelungen dürfte es nicht einfach werden, Dirigenten von auswärts nach München zu holen.

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