60. Geburtstag von Horst Lichter: "Ich habe viel gelacht, geweint, gelitten"

60. Geburtstag von Horst Lichter: "Ich habe viel gelacht, geweint, gelitten"

01/09/2022
  • Anlässlich seines bevorstehenden 60. Geburtstags am 15. Januar bringt das ZDF die Verfilmung des Buches „Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher“ zur Primetime (9. Januar, 20.15 Uhr) ins Fernsehen.
  • Im Interview gewährt der TV-Koch Einblicke in sein Leben.
  • Zudem spricht Lichter über seine Liebe zu „alten Dingen“ und seinem Schnurrbart.

Herr Lichter, am 15. Januar werden Sie 60. Wo und mit wem feiern Sie Ihren runden Ehrentag?

Horst Lichter: Da sich die Pandemie ja noch einmal ganz neu entwickelt, haben wir die große Geburtstagsfeier von meiner Frau, sie wird 50 und ich 60, abgesagt. Wir werden nun im engsten Familienkreis feiern. Wenn einigermaßen trockenes Wetter ist, dann fahre ich morgens vielleicht auch einfach mal noch eine Runde Motorrad und lasse den Tag ruhig angehen.

60 ist ein Alter, mit dem manche Menschen Probleme haben. Ist das bei Ihnen mit Blick auf Ihre gesundheitlichen Sorgen in jüngeren Jahren anders?

60 ist eine außergewöhnliche Zahl für ein Leben. Manche Menschen sind dann knapp über der Hälfte ihres Lebens und haben noch unglaublich viel vor, wollen noch einiges erleben. Manch ein Mann wird sogar noch Vater. Ich für meinen Teil bin demütig und sehr dankbar und habe eine innere Überzeugung, der ich treu bleibe. Ich bleibe in meinem Leben ehrlich: Wenn das Leben heute vorbei wäre, wäre es für mich in Ordnung.

Warum?

Ich habe so viel erleben dürfen, habe viel gelacht, geweint, gelitten. Ich habe unglaubliche Erfolge gefeiert, was ich nie so erwartet hätte. Ich habe Menschen, die ich liebe, die mich lieben. Wenn es also heute so weit wäre, würde ich Danke sagen zu dem, was war.

Dennoch haben Sie weiterhin viel vor, alleine schon beruflich sind Sie in viele TV-Projekte involviert …

… und es heißt nicht, dass ich lebensmüde bin. Im Gegenteil, ich würde sagen, alles was jetzt kommt, ist – bleiben wir in meiner Sprache – die Kirsche auf der Torte, die Deko auf der Sahnetorte des Lebens. Ich möchte gerne noch viel erleben, akzeptiere aber auch, wenn es vorbei sein sollte.

Im Zuge Ihrer Krankheiten stellten Sie einst Ihr Leben um. Wie lebten Sie damals, wie leben Sie heute?

Ich habe damals ein Leben gelebt, was mir vorgelebt wurde. Ich war überzeugt davon, dass es richtig wäre. Aber meine Krankheiten und das Drumherum, was passiert ist, haben mich erkennen lassen, dass es für mich zumindest nicht das richtige Leben ist. Ich habe zwar beschlossen, nicht weniger zu arbeiten, aber nur das zu tun, was mich wirklich erfüllt. Allerdings mit all seinen Konsequenzen. Und ich glaube, das war für mich der richtige Weg. Man darf es nur nicht einfach auf jeden anderen übertragen.

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Man kennt Sie als rheinische Frohnatur. Der Titel des Films „Horst Lichter – Keine Zeit für Arschlöcher“, der anlässlich ihres 60. Geburtstag bereits am 9. Januar im ZDF ausgestrahlt wird (20.15 Uhr), klingt durchaus amüsant. Allerdings werden auch ernste Töne angeschlagen, richtig?

Ja, dieser Titel wurde von Anfang an falsch verstanden. Als das gleichnamige Buch dazu herauskam, wollten viele mich, bevor sie es gelesen haben, schon verklagen, weil sie dachten, es wäre eine Art Abrechnungsbuch. Aber das habe ich nicht nötig, ich bin nicht vom Leben enttäuscht und ich hatte immer schon einen klaren Blick dafür, was um mich herum passiert. Aber das Leben ist nicht nur Zuckerguss und Zuckerschlecken. Insofern wird es wirklich auch mal ernst in diesem Film, wie es auch in meinem Leben war.

Was macht das mit einem, wenn man realisiert, dass es die eigene Buchvorlage zur Primetime ins Fernsehen schafft?

Ich habe mir diese Frage auch öfter gestellt und mich gefragt, was für ein Wort gibt es dafür? Ich habe viele Wörter gesucht für diese Freude, für diesen Stolz, auch für das, was alles passiert ist in meinem Leben, was im Film sichtbar wird. „Sensationell“ reicht nicht, „unglaublich“ reicht nicht, „unfassbare Freude“ reicht auch nicht. Ich kenne dieses Wort nicht, was diese Verfilmung, all das, in mir auslöst. Glücklich ja, aber glücklich alleine? Ich weiß es nicht. Vielleicht benutzen wir diese Wörter auch zu häufig für unnütze Dinge, sodass sie die Wirkung verlieren. Es macht mich unglaublich stolz und glücklich, vor allem wenn ich daran denke, woher ich komme, aus Rommerskirchen, einem kleinen rheinischen Dorf. Ich war in der Hauptschule, komme aus einer Arbeiterfamilie. Den Film zu erleben, der nun mein Leben und meinen Lebensweg zeigt, ist unglaublich. Aber das Wort „unglaublich“ allein reicht eben nicht.

Hatten Sie Einfluss auf die Besetzung des Casts?

Ich war in allem eingebunden, vom ersten Moment an. Die Filmproduzentin Anna Oeller ist eine ganz tolle Frau. Sie war so begeistert von dem Buch und hat es geschafft, „Bavaria Film“ von der Verfilmung zu überzeugen. Sie hat mich von Anfang an in alles eingebunden, auch in der Vorauswahl der gesamten Schauspieler-Casts. Ich kannte aber natürlich nicht jeden persönlich, maximal aus Film und Fernsehen. Das sagt jedoch weniger über den Menschen aus. Aber ich kann heute sagen: Ich war bei den Dreharbeiten dabei, durfte fast jeden kennenlernen, habe die Rohfassung des Films gesehen – besser hätte ich es für mich nicht treffen können.

Welche Schauspieler und Schauspielerinnen sind dabei und wie zufrieden sind Sie mit dem Cast?

Anna Oeller als Produzentin, das Drehbuch, Oliver Stokowski als Horst Lichter, Chiara Schoras als Nada, meine Frau, meine Mama gespielt von Barbara Nüsse und auch Emilian Heinrich als der kleine Horst und alle anderen Schauspieler und Schauspielerinnen – der Cast hat Unglaubliches für mich geleistet. Besser hätte ich es mir nicht vorstellen können.

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Das Thema „Abschiednehmen von der Mutter“ spielt für Sie eine große Rolle und ist der entscheidende Handlungsstrang in diesem Film. Trotz einer schwierigen Kindheit haben Sie Ihrer Mutter irgendwann verziehen und auf ihren letzten Metern begleitet. Eine der besten Entscheidungen Ihres Lebens?

Ich erkläre es so: Die tiefe Liebe in mir für Mama und Papa war immer da. Als Kind ist man erst einmal egoistisch. Und wenn wir ehrlich zu uns sind, bleibt das sehr lange so. In der Schule sind die Kumpels wichtiger, dann kommt die Lehre, der Berufswunsch, auf den man sich konzentriert. Der Partner wird wichtig. Alles ist erst mal wichtiger. Es hört sich heftig an, aber jetzt in meinem Alter, nach den Erlebnissen am Sterbebett meiner Mutter, bereue ich nichts mehr, als dass ich kaum etwas über meine Eltern weiß.

Aus Ihren Erfahrungen heraus: Was konkret können wir besser machen?

Wir sind zu egoistisch, um uns einfach mal hinzusetzen, mit Mama und Papa und mal ernsthaft nachzufragen: Wie war deine Kindheit? Hattest du Freunde? Was hattest du für Träume? Was hattest du für Wünsche? Warst du zufrieden in deinem Leben? Das fehlt bei mir alles irgendwie, daher war es eine meiner besten Entscheidungen, meine Mutter kurz vor dem Tod zu begleiten. Ich bin glücklich, dass auch meine Frau Nada das alles so mitgemacht hat. Wir sollten in der Gesellschaft wieder anfangen, von Anfang an darüber zu sprechen, was das Ziel unseres Lebens ist, der Tod. Warum eine Mutter fünf Kinder großziehen kann, aber häufig keine fünf Kinder eine Mutter pflegen können. Das finde ich traurig, unverständlich. Auch darüber sollten wir in der Gesellschaft mal wieder mehr reden, über die Solidarität unter den Generationen.

Wären Sie ohne die Schicksalsschläge Ihres Lebens diese Frohnatur, die Sie heute sind?

Nein. Ich bin der festen Überzeugung, es gehört bei allem im Leben dazu, dass man beide Seiten einer Medaille sieht. Im Streit muss man versuchen, auch den anderen zu verstehen. Man muss wissen, was es heißt, wirklich Hunger zu haben, um den Appetit davon zu unterscheiden. Wenn man wirklich mal Angst im Leben hatte, weiß man, was das heißt und schätzt das Leben. Was nicht heißt, dass jeder mal in diese schlimmen Situationen kommen soll, damit er eine bessere Persönlichkeit wird. Aber für meine Person gilt: Hätte ich all das nicht erlebt, wäre ich auch nicht der geworden, der ich heute bin. Und den mag ich.

„Keine Zeit für Arschlöcher“: Ist das auch zu Ihrem Lebensmotto geworden?

Wir haben eine wunderbare Angewohnheit, was sich in Corona-Zeiten noch einmal bemerkbar gemacht hat: Wir gehen in den Supermarkt, da stehen 50 in der Reihe, halten Abstand, tragen Maske. Dann gibt es zwei, die einen Riesenaufstand machen. Und über wen reden wir? Natürlich über die zwei Störenfriede. Keiner kommt nach Hause und sagt: Ach, war das toll, im Supermarkt haben sich 48 sauber mit Abstand in die Reihe gestellt und waren in der aktuellen Situation mit ihrem Verhalten für einander und miteinander da. Ach so, da waren zwei, die waren nicht so ganz dabei. Nein, wir reden nur über die zwei Arschlöcher, die sich aufregen.

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Bekommen diese „Störenfriede“, wie Sie es ausgedrückt haben, also zu viel Aufmerksamkeit?

Wir sollten uns nicht auf die Arschlöcher konzentrieren, sondern die Energie für die Netten verwenden. Ich möchte einfach nicht mehr meine gesamte Aufmerksamkeit auf die Menschen verwenden, die mir persönlich, meiner Familie, meinen Freunden, meinen Angehörigen schaden. Da ist Distanz meines Erachtens die angemessenere Variante.

Buchautor, TV-Koch, Moderator, „Trödelgott“ und Motorrad-Fan: Sind Sie manchmal selbst erstaunt über Ihre Vielseitigkeit?

Ich habe immer nur Dinge getan, die ich mag. Ich liebe Menschen, sie zu unterhalten, zu verwöhnen und die Kommunikation mit ihnen. Ich liebe alte Dinge. Motorräder und Autos waren in meiner Generation, in meiner Jugend, tatsächlich noch etwas Besonderes und wichtig, um aus dem Dorf herauszukommen. Das war Design, das war Ingenieurskunst, das war Leidenschaft, etwas Schönes, was mir gefiel. Ich bin also gar nicht vielseitig, sondern ich bin einfach ich mit den Dingen, die ich liebe.

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„Bares für Rares“ ist ein großer Erfolg. Hatten Sie gezögert, als einst die Idee auf den Tisch kam – in einer Zeit, in der Innovationen, Künstliche Intelligenz etc. großgeschrieben werden?

Nein. Ich vergesse nie, als ich von Oliver Fuchs vom ZDF angerufen wurde und er meinte: „Ich habe da eine Wahnsinnsidee. Du liebst Menschen, du liebst diese alten Dinge und stell‘ dir vor, so würde die Sendung gehen. Das Konzept ist ganz einfach. Ich habe gesagt: „Du, ich will’s machen. Ich finde es ganz wunderbar. Endlich mal etwas anderes!“ Nicht nur auf Kosten anderer lachen. Nicht nur zeigen, wer ist klein, dick und dumm, hässlich oder ähnliches. Nein. Ich finde es wichtig, einfach mal normal zu sein, dass man sich mal wieder mit Respekt, Freundlichkeit, Höflichkeit begegnet. Und das tun wir bei „Bares für Rares“, wohl das Geheimrezept dieser Sendung.

Ihr ZDF-Kollege Thomas Gottschalk (71) hat kürzlich seine Locken gestutzt. Können Sie uns versprechen, dass Sie sich niemals von Ihrem gezwirbelten Schnauzer verabschieden werden?

Nö, kann ich euch nicht versprechen (lacht). Es könnte sein, dass der Schnurrbart mal einiges kürzer werden könnte. Aber ganz ohne Schnurrbart? Das geht dann wohl auch nicht, das wäre so, als dass ich nie wieder reden würde.

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