Franca Lehfeldt und Christian Lindner gehen einen unüblichen Weg

Franca Lehfeldt und Christian Lindner gehen einen unüblichen Weg

10/28/2021

Die Nachricht von ihrer Verlobung schlägt Wellen. FDP-Chef Christian Lindner und RTL-Chefreporterin Franca Lehfeldt werden nächstes Jahr heiraten. Verquickung von Privatem und Beruflichem schließen sie aus.

Es ist ein ungewöhnlicher Weg, den Christian Lindner und Franca Lehfeldt einschlagen. Das Paar, welches seit den Wagner Festspielen im Jahr 2018 offiziell zusammen ist, wird nächstes Jahr heiraten – und sowohl der Bundesvorsitzende der Freien Demokraten als auch die Chefreporterin Politik-Magazine von RTL wollen ihre Jobs ungestört fortführen. 

Die Verquickung von Beziehung und Beruf spielt in ihren Statements zur Verlobungsbekanntgabe dennoch eine Rolle. Es sei Franca Lehfeldt laut der Mitteilung ihres Haussenders „wichtig zu betonen“, dass sie „privat eigene Ansichten habe und auch als Journalistin unabhängig“ sei. Ihr künftiger Ehemann pflichtet dem bei und erklärt: „Für mich ist völlig klar, dass Franca einen eigenen Beruf und einen eigenen Kopf unabhängig von mir hat.“ 

Presse und Politik: Spahn, Gauck und Schröder

Das sind ehrenhafte Bekenntnisse und im Rahmen ihrer professionellen Tätigkeiten erwartbare Statements. Doch Politiker-Journalisten-Beziehungen der Vergangenheit gingen damit auch anders um. Journalisten wissen nur zu gut, wie schnell der Vorwurf des Interessenskonflikts im Raum steht – und gehen dem vorab aus dem Weg, indem sie ihren Job quittieren.

Das wohl prominenteste Beispiel ist der Ehemann des noch amtierenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn: Daniel Funke. Er arbeitete jahrelang als Journalist, war bei Sat.1 tätig und Reporter bei „Bunte“. Als er 2018 den umstrittenen Ex-Botschafter Richard Grenell interviewte, gab es anschließend laut Kritik: Funke hatte nämlich in einem sehr wohlgesonnenen Homestory-Beitrag mit keiner Silbe erwähnt, dass er und sein Mann auch privat mit Grenell befreundet sind.

Seit 2019 liegen solche Fettnäpfchen nicht mehr im möglichen Gefahrenbereich des 40-Jährigen. Seitdem ist er bei Burda nicht mehr in journalistischer Tätigkeit angestellt, sondern arbeitet beim Verlag als Lobbyist im Hauptstadtbüro. In die Presse gelangte Funke danach nur noch, weil Spahns Ministerium in der Corona-Krise FFP2-Masken bei der Burda GmbH kaufte – also bei seinem Arbeitgeber. 

Gesundheitsminister Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke: Das Unternehmen, für das Funke als Lobbyist tätig ist, hat Spahns Ministerium offenbar Masken verkauft. (Quelle: POP-EYE/imago images)

Verflechtungen solcher Art können unschöne Schlagzeilen produzieren und umso mächtiger das Amt, desto größer die Fallhöhe. Christian Lindner will dem Vernehmen nach Finanzminister werden in einer möglichen zukünftigen Bundesregierung von SPD, Grünen und FDP, die wohl einflussreichste Position nach der des Kanzlers. Er und seine Gattin in spe werden also penibel darauf achten (müssen), dass es zwischen ihren Arbeitsbereichen keine Überschneidungen gibt.

Ex-First-Lady Daniela Schadt gab ihren Job auf

Als Chefreporterin bei RTL steht Franca Lehfeldt damit eine Herausforderung bevor, schließlich will der Fernsehsender seriöser, nachrichtlicher und politischer werden. Dazu hat er unter anderem öffentlich-rechtliche Nachrichtengrößen wie Jan Hofer und Pinar Atalay engagiert und mit Nikolaus Blome einen erfahrenen Journalisten angeheuert, in dessen Team Lehfeldt eine wichtige Rolle spielt.

Für Daniela Schadt kam diese Gratwanderung damals offenbar nicht infrage, als ihr Lebensgefährte, Joachim Gauck, Bundespräsident wurde. Als politische Journalistin bei den „Nürnberger Nachrichten“ hätte sie in die Bredouille geraten können, die Arbeit ihres Partners kommentieren zu müssen. Sie gab ihren Job auf – und konzentrierte sich ganz auf die zahlreichen Empfänge und Ehrenämter, die mit dem repräsentativen Job als First Lady einhergehen.

Doris und Gerd Schröder (Quelle: IMAGO / localpic)

Doris Schröder-Köpf lernte ihren späteren Mann und SPD-Kanzler Gerhard Schröder Mitte der Neunziger durch Pressetermine kennen. Sie war damals Hauptstadtkorrespondentin für den „Focus“. Mit der Wahl ihres Mannes zum Bundeskanzler 1998 konzentrierte sie sich vor allem auf ihre Aufgaben als Schirmherrin diverser Kinder- und Jugendprojekte und engagierte sich in der Drogenprävention. 

Lindners Ex-Frau, Dagmar Rosenfeld, arbeitete in ihrer Beziehung mit dem FDP-Politiker ebenfalls als Journalistin. Ende 2017 rügte sie der Deutsche Presserat wegen einer Berichterstattung in der „Welt“, in welcher sie ihrem Ehemann Stylingtipps gab – ohne zu erwähnen, dass Lindner und sie verheiratet sind. 

Lindner will „zwei, drei oder vier“ Kinder

Wie die Zukunft von Lindner und Lehfeldt aussehen wird, bleibt abzuwarten. Das Paar wünscht sich auch gemeinsame Kinder, wie der FDP-Politiker kürzlich dem Magazin „Bunte“ verraten hatte. Im August sagte er: „Mein größter Wunsch an das Leben ist es nicht, einmal Minister in der Regierung zu sein. Sondern bald zwei, drei oder vier Mädchen oder Jungs zu haben.“ Damals wusste er noch nicht, dass seine Partei aller Voraussicht nach Teil der nächsten Bundesregierung sein wird – und ein Statement seiner künftigen Frau zur Familienplanung gab es damals auch nicht. 

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Auch t-online wollte mit dem Paar ein Interview führen und die neue Nachricht der Verlobung thematisieren. Doch eine entsprechende Anfrage ließen Franca Lehfeldt und Christian Lindner bisher unbeantwortet. 

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