Nach Tod von Udo Walz: "Er war auch Vaterersatz für uns"

Nach Tod von Udo Walz: "Er war auch Vaterersatz für uns"

11/21/2020

“Ich kann nicht fassen, dass er tot ist”, sagt Barbara Becker über den verstorbenen Starfriseur Udo Walz. Auch Ursula Karven reagiert gegenüber t-online geschockt. Beide Frauen waren eng mit ihm befreundet.

Noch acht Stunden könnten sie weiter von ihm erzählen, betonen Barbara Becker und Ursula Karven bei unserem gemeinsamen Telefonat am Freitagabend, wenige Stunden nachdem die Gewissheit herrscht: Udo Walz, ihr langjähriger Freund, hat sich für immer verabschiedet. Die Designerin und die Schauspielerin haben viele Erlebnisse mit ihm geteilt und zeichnen im Gespräch mit t-online nach, was für ein Mensch der Starfriseur war. “Udo hätte gewollt, dass er gefeiert wird, er hätte sich das gewünscht. Er wollte hochgelebt werden. Das war ein Teil seines Lebens und seiner Triebkraft.” 

Denn Udo Walz sei ein Mensch gewesen, der das Leben selbst vollends gefeiert und genossen hat. “Udo hat einfach so unglaublich gut und gerne gelebt. Er hat den Moment immer genossen, immer. Er hat immer gesagt: ‘Ich lass mich doch von so was wie schlechtem Wetter nicht beeinflussen, bist du verrückt?’ Wenn jemand übers Wetter gesprochen hat, hat er gesagt: ‘Das muss sofort aufhören'”, so Barbara Becker. Die 56 Jahre alte Ursula Karven sagt, es sei Udo Walz fremd gewesen, über solche Banalitäten zu sprechen, “überhaupt sich zu beschweren, war ihm fremd”. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall gewesen: “Er war immer begeistert. Das war auch eines seiner Lieblingswörter: begeistert. Er hat mir so oft so überzeugend gesagt, dass er nichts ändern würde in seinem Leben, gar nichts. Er war einfach zufrieden, hat Gutes gefeiert und Schlechtes gefeiert.”

“So loyal und so groß und warmherzig”

“Er war einfach so unendlich loyal, ohne dass er sich wirklich auf deine Seite geschmissen oder andere Leute schlecht gemacht hat, er war warmherzig und großzügig. Er hat sich einfach immer wieder als Freund zu erkennen gegeben – ob ich jetzt eine Woche, einen Tag oder drei Wochen da war, er hat sich immer über meine Anwesenheit gefreut”, erzählt Barbara Becker, die in den USA lebt. 

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Berlin ohne Udo gab es für sie nicht. Als sie vor einigen Wochen zuletzt in der Hauptstadt war, musste sie ihn treffen, egal wie kurz – es gehörte für sie dazu. Wo sie ihn bei ihren Berlinbesuchen finden konnte, das wusste nicht nur Becker immer – Udo Walz und sein Ehemann Carsten schworen auf Rituale. Montags wurde im Kempinski gespeist, sonntags ging es auf den Flohmarkt und es wurde zum Kaffeekränzchen geladen, am Mittwoch war Walz hier, am Donnerstag da. “Man fand ihn einfach. Der innere Kreis wusste immer, wo Udo war. Es war sehr nachvollziehbar, wo er seine Schleifen zieht und das war ein wahnsinnig beruhigendes Gefühl”, so Ursula Karven – und wer ihn fand, war immer willkommen. 

  • In seinem Salon gingen die Promis ein und aus: Ein Rückblick auf das Leben des verstorbenen Starfriseurs Udo Walz. (Quelle: dpa)

    “Er war immer bereit, zuzuhören und zu teilen”

    Udo Walz passte auf die Kinder seiner Freudinnen auf, wenn “Not am Mann war, war er da”, wie Ursula Karven erzählt. Barbara Becker ließ sich 2009 bei ihrer Hochzeit mit dem Künstler Arne Quinze, von dem sie inzwischen wieder geschieden ist, von dem Coiffeur vor den Altar führen. “Udo war auch Vaterersatz für uns alle. Er war immer bereit, zuzuhören und zu teilen”, erinnert sich Barbara Becker. 

    Und: “Er war so stolz und er war ein echter Frauenliebhaber. Er hat Frauen vergöttert.” Was ihn auszeichnete, war aber auch, dass er “wirklich alle gleich behandelt” hat – “sein aktuelles Gegenüber hat von ihm einfach alle Aufmerksamkeit bekommen”, erzählt die 54-jährige Barbara Becker, die 2012 sogar mit Walz und Karven für “SOKO Stuttgart” vor der Kamera stand. Ja, auch Ausflüge in die Welt der Schauspielerei machte er immer mal wieder, “sehr gut singen” konnte Walz ebenfalls, nur Dinge üben, das habe er gar nicht gemocht. 

    Sylta Fee Wegmann, Udo Walz, Ursula Karven und Barabara Becker (v.l.) 2012 bei einem Fotocall während der Dreharbeiten zu “SOKO Stuttgart”. (Quelle: Getty Images/Getty Images)

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    “Er war für mich ein großer, wirklich weiser Mensch”

    Eines möchte Ursula Karven besonders hervorheben: “Leute, die im Rampenlicht stehen, haben ja oft dieses Missverhältnis zwischen der Person, die sie sind und der Person, die sie sein wollen. Das erreicht sich bei vielen gar nicht. Und bei Udo war der, der er ist, auch der, der er sein will, und auch die Person, als die er von anderen gesehen werden will. Das war eine Schnittmenge von 100 Prozent.” Das schaffen ihrer Meinung nach eigentlich nur ganz religiöse Menschen – oder eben Udo. “Er war für mich ein großer, wirklich weiser Mensch”, resümiert Yogabuchautorin Karven.

    “Wir werden ihn weiter mit uns tragen. Wir werden jetzt für Carsten da sein, Udo feiern und vermissen”, beendet Barbara Becker das Gespräch. Ursula Karven betont: “Das ist für ihn, weil er es geliebt hätte, zu hundert Prozent.” Für einen Mann, der immer froh war, am Leben zu sein, der voller Demut war und dankbar für jeden Tag auf der Erde.

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