Prinz Andrew: Die letzten Jahre ging es nur noch bergab

Prinz Andrew: Die letzten Jahre ging es nur noch bergab

01/13/2022

Prinz Andrew hat seine militärischen Titel an die Queen zurückgegeben. Hintergrund war die Klage wegen sexuellen Missbrauchs an einer damals 17-Jährigen. Eine Chronik der Ereignisse.

Prinz Andrew, der Sohn von Queen Elizabeth II, wird oft in Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen genannt, mit denen der amerikanische Unternehmer Jeffrey Epstein konfrontiert wurde. Epstein wurde inhaftiert, weil ihm der Prozess gemacht werden sollte. Jedoch fand man ihn am 10. August 2019 tot in seiner Zelle auf. Doch was hat der britische Royal mit den Machenschaften des Amerikaners zu tun?

Das wird Andrew vorgeworfen

Der Sohn der Königin soll vor 20 Jahren eine Frau, Virginia Giuffre, missbraucht haben. Giuffre war damals erst 17 Jahre alt, also eine Minderjährige. Das Opfer gibt an, der inzwischen verstorbene Epstein und seine frühere Partnerin Ghislaine Maxwell hätten sie als Teenagerin zusammen mit Dutzenden anderen Minderjährigen zur Sexsklavin gemacht.

Giuffre erhielt „Schweigegeld“ von Epstein

Virginia Giuffre: Sie ist die Frau, die Prinz Andrew verklagt, weil er sie als Minderjährige sexuell missbraucht haben soll. (Quelle: IMAGO / ZUMA Wire)

In dem Deal von 2009 vereinbarte Giuffre mit Epstein, davon abzusehen, Menschen aus Epsteins Umfeld zu beschuldigen, die als „potenzielle Angeklagte“ gelten könnten. Diese Vereinbarung zwischen Epstein und Giuffre beziehe sich auf alles, was „seit dem Anfang der Welt bis zum Tag der Übereinkunft“ geschehen sei, wie es in dem Dokument weiter heißt.

Virginia Roberts – so hieß Giuffre früher – erhalte dafür eine Zahlung über 500.000 US-Dollar. Dies wurde allerdings erst im Januar 2022 bekannt, weil aufgrund von Giuffres Klage alte Gerichtsdokumente geöffnet wurden. Da Andrew jedoch nicht namentlich in der Vereinbarung erwähnt werde, schützte ihn diese nicht vor der 2021 eingereichten Klage Giuffres.

2015 werden die Vorwürfe wieder publik gemacht

Jahrelang geschah nichts. Doch im April 2015 beschuldigte Giuffre Epstein und Maxwell während eines Diffamierungsprozesses, dass die beiden sie 2001 dazu gezwungen hätten, mit Prinz Andrew Geschlechtsverkehr zu haben. Doch der Anschuldigung wurde damals keine weitere Beachtung geschenkt.

2019 beschuldigt Giuffre Prinz Andrew

Erst mehr als vier Jahre später wurden diese Vorwürfe ans Licht der Öffentlichkeit gebracht. Im August 2019 wurden die Dokumente über den Prozess von 2015 entsiegelt. Aus den Papieren ging nicht nur der Sexhandel hervor, den Giuffre Epstein und Maxwell vorwarf, sondern auch weitere Details. Eine andere Zeugin, Johanna Sjoberg, berichtete den Ermittlern über ein sexuelles Erlebnis, welches sie, Maxwell, Prinz Andrew, Giuffre und sogar eine Puppe des Prinzen beinhaltete. Der Buckingham Palast dementierte diese Vorwürfe damals.

Nach dem Tod von Epstein trat Prinz Andrew an die Öffentlichkeit und gab ein Statement ab. In diesem sprach er jedem sein Mitgefühl aus, der durch Epstein betroffen sei und der einen Abschluss finden wolle. Er sagte zudem, dass er solches Verhalten, welches zu Epsteins Inhaftierung führte, selbst nicht beobachtet hätte. Giuffre hingegen veröffentlichte daraufhin ein eigenes Statement, dass Andrew genau wisse, was Epstein getan habe.

Andrew tritt von seinen royalen Pflichten zurück

Im November 2019 trat Andrew von seinen royalen Pflichten zurück. Hintergrund war ein umstrittenes BBC-Interview. In der Sendung behauptete Andrew, dass ein Foto, welches ihn und die damals 17-jährige Klägerin zeige, ein „Fake“ sei. An einem von Giuffre als Tatzeitpunkt angegebenen Abend sei Andrew mit seinen Töchtern Beatrice und Eugenie daheim gewesen.

Geschäftspartner, Universitäten und Charity-Organisationen sollen nach diesem Skandalinterview im britischen TV ihre Zusammenarbeit mit dem Royal beendet haben.

Prinz Andrew wird angeklagt

Im August 2021 erhob Giuffre Anklage gegen Prinz Andrew. „Ich werde Prinz Andrew zur Verantwortung ziehen für das, was er mir angetan hat“, sagte die Klägerin damals. Im September engagierte der britische Blaublüter ein prominentes Anwaltsteam, um sich zu verteidigen. Die Vorwürfe bestritt er noch immer. 

Queen Elizabeth II. und Prince Andrew bei einem Auftritt 2019. (Quelle: IMAGO / Matrix)

Einen Monat später, im Oktober 2021, wurde bekannt, dass die Queen für die Anwalts- und Gerichtskosten ihres Sohnes aufkommen würde. Mittlerweile soll sie Andrew jedoch den Geldhahn zugedreht haben. Im Dezember des letzten Jahres versuchte Andrew die Zivilklage gegen ihn zu stoppen. Doch dies scheiterte. Am 12. Januar 2022 urteilte ein New Yorker Gericht, dass Giuffre Andrew verklagen könne und dieser Prozess an einem US-amerikanischen Gericht ausgetragen werden darf.

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Nur einen Tag später, am 13. Januar 2022, machte der Buckingham Palast publik, dass Andrew seine militärischen Titel abgibt und weiterhin keine öffentlichen und repräsentativen Aufgaben für das britische Königshaus übernehmen werde.

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