Ronja Forcher: "Ich habe schon als Kind vor einem Drehtag nichts gegessen"

Ronja Forcher: "Ich habe schon als Kind vor einem Drehtag nichts gegessen"

10/05/2021

Seit ihrem zehnten Lebensjahr steht Ronja Forcher, 25, für die beliebte ZDF-Serie "Der Bergdoktor" vor der Kamera. So wuchs die Schauspielerin mit dem Druck von außen auf, einem gewissen Bild gerecht zu werden, das von einer jungen Frau in der Medienlandschaft erwartet wurde. Und auch zu Hause verspürte sie diesen. 

Ronja Forcher litt unter Erwartungen ihrer Familie

"Auf jeden Fall war der Körper bei uns in der Familie immer ein Thema. Und ich will das nicht verurteilen und ich will auch nicht wütend sein auf die Menschen, die das immer zum Thema gemacht haben, aber ich bin es irgendwo", gesteht die heute 25-Jährige im Podcast "Hungry Minds". Ihr und ihren Cousinen sei immer gesagt worden, wie sie auszusehen hätten. "Es wurde immer kommentiert, wenn sich dein Körper verändert hat, es wurde alles sehr öffentlich gemacht innerhalb dieser Großfamilie." Das habe sie oft verletzt, da sie "immer schon die war, die mehr Gewicht hatte als andere in meiner Familie". Es sei nicht in Ordnung, einem zwölfjährigen Kind zu sagen, es müsse Sport machen, damit "du schlank wirst".

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Damals jedoch prägte es ihre Einstellung zum weiblichen Körper nachhaltig. "Eine Frau zu sein war für mich damals, schlank zu sein. Punkt. Es gab nicht mehr und das finde ich ganz furchtbar, weil dadurch mein Sein und mein ganzes Geschlecht und die ganzen anderen Frauen in meiner Familie total reduziert wurden", führt sie aus. 

Ronja Forcher: „Warum bringen wir Liebe in Zusammenhang mit Form?“

Den Druck, eine bestimmte Figur zu haben, verspürt Ronja auch heute noch. "Auch noch vor einem halben Jahr habe ich mir gedacht, wenn ich jetzt irgendwie die Hose besser zubekomme und dann feiner sitzen kann, dann werde ich mich besser fühlen, dann werde ich selbstbewusster sein. Und ich glaube, dieser Gedanke, den Körper in eine Form passen zu können, die man dann lieben kann, der ist sehr präsent bei uns allen – bei uns Frauen und Mädchen vielleicht besonders", erklärt sie und stellt sich die Frage: "Warum bringen wir Liebe in Zusammenhang mit Form und warum bringen wir Wertigkeit oder Respekt in Zusammenhang mit einer Zahl?"

Nicht zuletzt ihr Beruf habe maßgeblich dazu beigetragen, dass Ronja sich in ihrem Körper lange nicht wohl fühlte. "Ich habe so oft als Kind oder Jugendliche – und ich glaube, das hatte schon sehr stark mit meinem Beruf zu tun – gedacht, 'Vor einem Drehtag darf ich nicht Abendessen, dann bin ich morgen dünner, dann schaue ich besser aus und dann sagt meine Familie nicht, 'Du schaust in der Kamera dick aus' oder dann regt sich nicht die Kostümfrau auf, dass sie ein neues Oberteil kaufen muss, weil ich nicht mehr reinpasse'", so die gebürtige Innsbruckerin. Heute fragt sie sich: "Warum ist das niemandem aufgefallen? Warum hat denn niemand geschaut, warum dieses Kind immer bevor es arbeiten geht, nichts mehr isst." Durchgehalten habe sie ihre eigenen Limitierungen am Ende meist nicht. Die Folge daraus sei gewesen, dass Ronja nachts den Kühlschrank plünderte. "Einfach um dieses Loch zu füllen, das ich in mir gefühlt habe. Und ich glaube, das Loch war nicht nur Hunger, sondern auch dieses Gefühl von 'Ich werde sonst nicht geliebt, ich habe mir das jetzt nicht verdient, was zu Abend zu essen, bevor ich zum Drehort fahre'", so ihre Bilanz.

„Playboy“-Shooting half der Schauspielerin beim Umdenken

Ein Nacktshooting für den "Playboy" im Jahr 2016 half ihr beim Umdenken. "Ich habe aufgehört, jemand sein zu wollen, der ich nicht bin. Ich glaube, ich bin keine dünne Frau, ich werde nie eine dünne Frau sein, ich bin auch keine dicke Frau in einem dünneren Körper", stellt sie klar. "Ich habe angefangen mich zu lieben und mich zu schätzen", erklärt sie. Das beziehe sich nicht nur auf ihren Körper. "Aber ich habe angefangen, mich wirklich zu lieben, mein Sein, mein Ich, meine Persönlichkeit. Und deswegen habe ich irgendwann aufgehört, die Wünsche und Vorstellungen anderer über meine Wünsche zu stellen. Und ich habe aufgehört, irgendeine fremde Meinung über mein Verlangen nach Essen zu stellen."

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