Skandal um BBC-Interview mit Prinzessin Diana: Journalist manipulierte "Königin der Herzen"

Skandal um BBC-Interview mit Prinzessin Diana: Journalist manipulierte "Königin der Herzen"

05/22/2021

Skandal um BBC-Interview mit Prinzessin Diana: Journalist manipulierte "Königin der Herzen"

BBC-Journalist setzte bei Prinzessin Diana heftige Methoden ein

„Wir waren zu dritt in dieser Ehe, deswegen war es ein bisschen eng“: Die Aussagen von Prinzessin Diana im BBC-Interview 1995 über die Untreue ihres Gatten Prinz Charles zählen zu den berühmtesten Sätzen der britischen TV-Geschichte. Doch das Gespräch, das der Reporter Martin Bashir damals führte, und dem weltweit 200 Millionen Menschen gebannt folgten, war ein Ergebnis von Lug und Trug. Ein am Donnerstag (20. Mai 2021) veröffentlichter Untersuchungsbericht ergibt, dass Bashir die Prinzessin und ihren Bruder Charles Spencer damals tatsächlich mit gefälschten Unterlagen getäuscht und zum Interview überredet hat!

Gefälschte Kontoauszüge und gefälschte Abtreibungsunterlagen täuschten Lady Di

Dianas jüngerer Bruder Charles Spencer hatte damals den Kontakt zwischen Bashir und Lady Di hergestellt. Um die Geschwister davon zu überzeugen, ihm ein Interview zu geben, nutzte der Reporter dann aber ziemlich unlautere Methoden, wie der Untersuchungsbericht jetzt bestätigt: So legte er gefälschte Kontoauszüge vor, die den Eindruck erwecken sollten, Angestellte von Diana seien dafür bezahlt worden, Informationen über sie preiszugeben. Und es wird noch perfider: Bashir zeigte Diana wohl gefälschte Abtreibungsunterlagen, die suggerierten, die Nanny ihrer beiden Söhne William und Harry hätte eine Schwangerschaft beendet. Vater des Ungeborenen sollte dabei ausgerechnet Prinz Charles gewesen sein. Aussagen, die Prinzessin Diana dann offenbar letztlich dazu bewogen haben, öffentlich über die Untreue ihres Mannes auszupacken.

Für den Palast waren Dianas Enthüllungen ein Tabubruch – mit schweren Folgen. Berichte über Charles’ angeblich jahrelange Affäre mit seiner heutigen Frau, Herzogin Camilla, beschädigten das Image des britischen Königshauses schwer. Diana verlor in der Folge die Anrede „Her Royal Highness“ (deutsch: Ihre Königliche Hoheit) – und damit den Personenschutz. Das sei ein Grund für ihren Unfalltod 1997, behauptete Dianas Ex-Privatsekretär Patrick Jephson: Di und ihr Freund Dodi Al-Fayed hätten an dem tragischen Abend in Paris deshalb nicht vor Paparazzi abgeschirmt werden können. Bashir, mittlerweile 58 Jahre alt, entschuldigte sich jetzt. Er bedauere seine Handlungen zutiefst. Schon vor einigen Tagen hatte er auch seinen Rücktritt eingereicht – angeblich aus gesundheitlichen Gründen, wie die BBC mitteilte.

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BBC spricht von "inakzeptablen Fehlern"

Auch die BBC entschuldigte sich und erkannte das Untersuchungsergebnis vollauf an. Der damalige Generaldirektor John Birt sagte, die BBC habe einen „schurkischen Reporter“ beschäftigt. „Dies ist ein schockierender Fleck auf dem andauernden Engagement der BBC für ehrlichen Journalismus, und es ist äußerst bedauerlich, dass es 25 Jahre gedauert hat, bis die volle Wahrheit ans Licht gekommen ist“, sagte Birt. Aufsichtsratschef Richard Sharp sprach von „inakzeptablen Fehlern“. Es sei kein Trost, dass es sich um Fehler aus der Vergangenheit handle.

Zwar gibt es bislang keine strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Reporter oder den Sender. Doch die Brisanz ist groß, als „Prinzessin der Herzen“ ist Diana in Großbritannien noch immer beliebt. Zu ihrem 60. Geburtstag am 1. Juli erst sollen ihre Söhne in London eine Statue ihr zu Ehren enthüllen. Allmählich könnte Prinzessin Diana also endlich ihre Ruhe finden.

dpa/RTL.de/lsc

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