"Das Traumschiff" ist bisschen dürftig – und bietet furchtbar zynische Szene

"Das Traumschiff" ist bisschen dürftig – und bietet furchtbar zynische Szene

01/01/2022

Dass „Das Traumschiff“ trotz seiner Größe lieber in seichten Unterhaltungsgewässern unterwegs ist, ist bekannt. Doch in der Neujahrsfolge tappen Max Parger und seine Passagiere ein bisschen zu geschichtsvergessen durch Namibia.

Eine KritikvonChristian Vock

Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

„Es muss was zum Lachen sein, es muss was zum Weinen sein, es muss irgendeine schöne Liebesgeschichte für die Mama sein. Das ist entscheidend“, erklärte „Traumschiff“-Ideengeber Wolfgang Rademann einst die Erfolgsformel seiner Kreuzfahrt-Reihe. Jeder müsse dort etwas finden, vor allem aber wunderschöne Natur und Traumstrände. Irgendetwas, das den Zuschauer die kalte und schmuddelige Jahreszeit vergessen lässt.

In der jüngsten Folge klappt die Sache mit der wunderschönen Natur ganz gut, schließlich geht es diesmal nach Namibia. Dass aber jeder Zuschauer etwas in dieser Folge findet, das dürfte eher unwahrscheinlich sein. Zumindest für Zuschauer, die auch mal einen kritischen Blick auf die Vergangenheit und Gegenwart werfen. Denn Namibia, das sind nicht nur wundervolle Landschaften und Tierwelten. Nein, Namibia, das ist auch ein Teil deutscher Geschichte, wenn auch einer der dunkelsten.

Denn als Kolonie Deutsch-Südwestafrika wurden einst Ressourcen und Menschen des heutigen Namibias brutal ausgebeutet, beim Vernichtungskrieg gegen die Hereros und Namas starben Zehntausende. Ein Völkermord, mit dessen Anerkennung sich Deutschland jahrzehntelang sehr schwertat, um es verharmlosend auszudrücken.

Und wie geht „Das Traumschiff“ in der Namibia-Folge mit dieser Last deutscher Vergangenheit um? Die Antwort: gar nicht. Wobei ein völliges Aussparen dieser Vergangenheit in gewisser Weise ja auch eine Antwort ist.

„Das Traumschiff“: Namibia? Kolonie? War da was?

Wenn über Namibia gesprochen wird, dann hört sich das in der jüngsten „Traumschiff“-Folge nur so an: „Namibia ist nicht nur berühmt für seine grandiose Natur und seine artenreiche Tierwelt. Es ist dieses ganz besondere Licht, das hier herrscht. Namibia wird nicht umsonst das Land der roten Stille genannt. Durchstreifen Sie Namibias Wüstenlandschaft, folgen Sie den Geparden und begeben Sie sich auf Spurensuche! Genießen Sie dieses wunderschöne Land mit seinen wunderbaren Menschen“, erklärt Kapitän Max Parger (Florian Silbereisen) seinen Gästen das Reiseziel.

Nein, von der blutigen Vergangenheit ist in der „Traumschiff“-Folge nichts zu hören. Ein Problem? Nun ja. Auf der einen Seite ist „Das Traumschiff“ eben „Das Traumschiff“ und keine Polit- oder Geschichtsdokumentation. Hier geht es, so wie es einst Rademann sagte, um kleine Geschichtchen zum Weinen, Mitfiebern und Lachen. „Das Traumschiff“ behandelt Probleme, die Kapitän Max Parger im Schonwaschgang lösen kann. Da wäre die Aufarbeitung eines Völkermords doch ein bisschen viel verlangt, oder? Oder?

Oder eben auch nicht. Denn auf der anderen Seite hätte eine Szene, in der zum Beispiel an den Vernichtungsfeldzug gedacht wird, sicher keine unüberwindbare Hürde für einen Drehbuchschreiber bedeutet. In vergangenen Folgen hat man bereits vorgemacht, wie man heile Welt mit ein bisschen Problembewusstsein verbindet.

Zumal „Das Traumschiff“ in der Namibia-Folge ohnehin vergleichsweise wenig heile Welt zu bieten hat. Denn zwischen den üblichen Liebeleien gibt es diesmal eine Nashornpulver-Schmuggelei, einen Hochstapler, Wilderei und Stress in der Kapitänsfamilie.

Hochstapler, Wilderer, Schmuggler – und ganz viel Liebelei

Denn die Nichte von Kapitän Parger will nach einem Praktikum in Namibia nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Ein Fall, wie gemacht für den Probleme-im-Vorbeigehen-Löser Parger. Da hat es Sandra Winkler (Julia Malik) schon schwerer. Sie ist mit ihrer Freundin Carola Albrecht (Eva Habermann) an Bord und will in Namibia eine Internetbekanntschaft überraschen, die sie noch nie gesehen, ihr aber schon Geld überwiesen hat. Man kann ahnen, wie die Nummer ausgeht.

Freundin Albrecht wusste davon nichts, schließlich wollte sie mit Winkler einfach nur eine schöne Zeit mit ein bisschen Shopping verbringen. Doch aus sie ist nicht frei von romantischen Gefühlen und flirtet mit Schiffsoffizier Oliver Botten (Francis Fulton-Smith). Der wiederum lässt sich von seinem Bruder in krumme Schmuggel-Geschäfte hineinziehen und damit kommen wir wieder zurück zu Pargers Nichte, denn in dieser Folge ist fast alles mit allem verbunden.

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Geradezu simpel ist da die Geschichte von Paulina Winter (Caro Daur) und Friedemann Blum (Alexander Prince Osei). Die beiden treffen sich beim Einchecken, sie berühmte Schauspielerin, er davon nichts ahnend. Wie „Das Traumschiff“ so will, vergucken sich die beiden ineinander, aber weil einfach nicht einfach einfach ist, kommt er irgendwann nicht mit Winters Leben in der Öffentlichkeit klar. Gut, dass das den beiden an Bord des „Traumschiffs“ passiert, denn da gehört das Lösen solcher Probleme zum Service.

„Das Traumschiff – Namibia“ mit zynischer Szene

Es wäre also durchaus Platz für ein bisschen Geschichtsbewusstsein gewesen. Umso mehr, da das Verhältnis zwischen Deutschland und Namibia mit einem sehr merkwürdigen Beigeschmack bebildert wird. Denn als Staff-Kapitän Martin Grimm (Daniel Morgenroth) einen Trip in die namibische Wildnis unternimmt, wird er von einem Dorfbewohner angesprochen und als Vertreter deutscher Ingenieurskunst um die Reparatur eines Diesel-Generators gebeten.

Das ist ja auch das Mindeste für ein Land, in dem man seit Jahren um Reparationsleistungen Deutschlands wegen des Völkermords kämpft, könnte man da meinen – wenn es nicht so furchtbar zynisch wäre. So ist in dieser Szene eben auch wieder Namibia der Bittsteller – und auch das ist zynisch. Und auch wenn das in dieser Szene vielleicht nicht so gemeint war, bleibt das Bild doch das gleiche.

Ja, „Das Traumschiff“ ist „Das Traumschiff“ und heile Welt ist eben heile Welt. Trotzdem wurde in der Namibia-Ausgabe Einiges verschenkt. Das wäre vielleicht noch zu verkraften gewesen, hätte man beim Rest nicht so geschichtsvergessen geschludert. So bleibt von Namibia nur das Bild eines Landes von Wilderern und Schmugglern, in dem die Menschen warten müssen, bis ein Deutscher kommt, der ihnen eine Maschine repariert. Das ist zu dürftig. Selbst für ein „Traumschiff“-Drehbuch.

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