Der Münster-"Tatort" und sein diffuser Umgang mit den Stars

Der Münster-"Tatort" und sein diffuser Umgang mit den Stars

10/12/2021

Er ist ein Publikumsmagnet, der seinesgleichen sucht: der „Tatort“ aus Münster. Kein anderer ARD-Krimi fährt derart zuverlässig Topquoten ein. Ob das nur an Jan Josef Liefers und Axel Prahl liegt? 

Das Schema ist immer gleich. Läuft an einem der vielen Sonntage im Jahr ein „Tatort“ aus der beschaulichen Stadt Münster im Ersten, lauten die Schlagzeilen am nächsten Tag in aller Regel: „Liefers und Prahl holen Topquote“. Das Ermittlerduo, es steht nicht nur in dem WDR-Krimi an vorderster Aufmerksamkeitsfront. Aber in Münster eben ganz besonders. 

Kriminalhauptkommissar Frank Thiel, gespielt von Axel Prahl, und der von Jan Josef Liefers verkörperte Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne sind die mit Abstand erfolgreichsten „Tatort“-Figuren Deutschlands, gemessen an den Quoten. Da verwunderte es nicht, dass Ende April dieses Jahres auch folgende Nachricht durch die Zeitungen und Nachrichtenagebote der Republik geisterte: „Münster-‚Tatort‘: Liefers und Prahl verlängern für sechs weitere Folgen“. 

Wieder einmal ging es dabei nur um die Hauptdarsteller – und das ist nicht nur ein Problem der medialen Berichterstattung. Auch der Umgang des Senders mit seinem längst als „Kult“ gefeierten Format wirft Fragen auf. Denn in der Mitteilung des WDR im April hieß es: „Wir planen, sechs weitere Folgen des Münster-‚Tatorts‘ zu produzieren und freuen uns sehr, dass Jan Josef Liefers und Axel Prahl auch weiterhin als Ermittler für die ARD im Einsatz sind“. 

Warum sich der Sender nicht auch über die Verlängerung mit anderen Stars der Reihe freuen kann, bleibt unklar. Wie t-online erfuhr, hat auch Christine Urspruch ihren Vertrag bei der „Tatort“-Produktion verlängert – im Videointerview spricht sie über ihre Rolle.

Christine Urspruch: Der „Tatort“-Münster-Star spricht bei t-online über seine Vertragssituation bei der ARD. (Quelle: IMAGO / Stefan Zeitz)

Als Assistentin Silke Haller ist sie an der Seite von Jan Josef Liefers genauso lange Teil des Erfolgs wie ihre beiden männlichen Kollegen. Seit 2002 ist die 51-Jährige mit dabei, wenn Klamauk und Krimi in der kleinen Domstadt in Nordrhein-Westfalen Hand in Hand gehen.

„Immer in der Nachhut bin ich dran“, erzählt Urspruch t-online und erklärt, dass Jan Josef Liefers und Axel Prahl „natürlich immer zuerst gefragt“ werden. Erst dann werde mit ihr als Nebendarstellerin gesprochen. Einen Groll hegt die gebürtige Remscheiderin deswegen allerdings nicht. „Es macht mir nach wie vor eine Riesenfreude“, so Urspruch über ihre Rolle als „Alberich“, wie sie in dem ARD-Krimi gerne genannt wird.

Urspruch über „Tatort“: „Es ist ein Geschenk“

Gerade erst habe sie in Köln wieder mit Liefers und Prahl und den anderen Kolleginnen und Kollegen, von denen unter anderem auch Mechthild Großmann in ihrer Rolle als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm seit 2002 an Bord ist, vor der Kamera gestanden. Der neue Fall aus Münster werde laut Urspruch im Januar 2022 im Ersten zu sehen sein. „Es ist einfach schön. Es ist ein Geschenk“, erzählt die Schauspielerin voller Begeisterung über die Zusammenarbeit.

Dabei berichtet Christine Urspruch t-online auch, wie lange ihr Vertrag Gültigkeit besitzt. Demnach habe sie für zwei weitere Jahre unterschrieben. „Mindestens zwei Jahre können ‚Tatort‘-Fans mich noch sehen – und hoffentlich auch noch länger“, lacht die Mutter eines 2004 geborenen Mädchens in der Hoffnung, die festen Einnahmen aus der Krimiproduktion noch weitere Jahre einplanen zu können.

Für Urspruch ist das Geld, das sie mit dem „Tatort“ verdient, eine der wichtigsten Lebensgrundlagen, wenn man ihren Äußerungen aus der Vergangenheit glauben kann. Im vergangenen Jahr machte sie öffentlich, die Corona-Soforthilfe beantragt zu haben. „Ich habe das dann auch bewilligt bekommen. Aber es ist eine Überbrückung gewesen für einen bestimmten Zeitraum“, so die freiberufliche Schauspielerin damals zu „Bild“.

„Das Publikum liebt uns dafür“

Dass sie deutlich weniger mit ihren Einsätzen beim Münster-„Tatort“ verdient als ihre Kollegen Jan Josef Liefers und Axel Prahl, ist längst ein offenes Geheimnis. Sie wäre schon froh, wenn sie nur zehn Prozent der Gage erhalten würde, die Liefers einsackt. Der verdiene bei einem „Tatort“ schon „über 100.000 Euro“, so Christine Urspruch in dem Gespräch damals. Wie viel die Stars beim ARD-Krimi in der Regel kassieren, können Sie in unserer Fotoshow erfahren. 

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Die Zugpferde und Werbegesichter beim „Tatort“ aus Münster, sie scheinen auch nach mehr als neun Jahren noch die Namen Liefers und Prahl zu tragen. Dass der WDR dies womöglich unfreiwillig befeuert mit seinen Pressemitteilungen, mag seltsam anmuten, aber es ist in der Branche keine Seltenheit. Vor allem der „Tatort“ lebt von seinen Ermittlerduos – und alle Stars daneben rücken automatisch in den Hintergrund. Dennoch haben wir den WDR gebeten, zu einigen Aspekten Stellung zu nehmen. Eine kurzfristige Anfrage ließ der Sender allerdings unbeantwortet. Die Zeit sei zu knapp, so ein Sprecher am Dienstagnachmittag am Telefon.

Für Christine Urspruch jedenfalls ist das Erfolgskonzept ein ganz anderes. Es sei die „Art von Humor“, die mal mit „schwarzem Humor“ daherkomme, aber auch „das Liebevolle und den Respekt füreinander“ zeige, die den Münsteraner „Tatort“ so beliebt mache. „Das Publikum liebt uns dafür, das ist schön“, so Urspruch zu t-online. Doch von Luft und Liebe, das wird auch der WDR wissen, lassen sich weder Miete noch Lebensunterhalt bezahlen.

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