Der neue "Tatort" ist nichts für schwache Nerven

Der neue "Tatort" ist nichts für schwache Nerven

11/15/2020

Horrorschocker trifft auf “Tatort”: Das Dresdner Team muss im neuen Fall “Parasomnia” einen Mord aufklären und bekommt es dabei mit übernatürlichen Wesen zu tun. Darin steckt Gruselpotenzial.

Karin Gorniak (Karin Hanczewski, li.), Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) und Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) nehmen den Tatort und das Opfer in Augenschein.(Quelle: MDR/MadeFor/Daniela Incoronato)

Die Tätersuche verlangt auch den beiden Ermittlerinnen und ihrem Chef Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) einiges ab. Gerade waren Vater und Tochter Schröder nach Jahren an den Ort zurückgekehrt, wo sie einst als Familie glücklich waren. Ben (Wanja Mues) hat berufliche Pläne und will das heruntergekommene Haus weiter renovieren. Mit Tochter Talia und deren Anhänglichkeit ist er überfordert. Das Mädchen hat seit dem Unfalltod der Mutter vor acht Jahren einen psychologischen Selbstschutz entwickelt. “Sie macht aus etwas Schrecklichem etwas, das sie verkraften kann”, erklärt Gorniak Schnabel, der am Tatort auf Talias Mund starrt in der Erwartung einer schnellen Aufklärung. Die aber ist nicht in Sicht, denn Talia will sich partout nicht erinnern.

Das neue traumatische Erlebnis – sie hat den Mörder überrascht – verstärkt ihre Parasomnie, eine Art Schlafstörung mit Nachtangst und Schlafwandeln. Sie wird von Untoten verfolgt. Die 19 Jahre alte Hannah Schiller spielt das Mysteriöse, als wäre es real: Talias Angst vor der halbverwesten Frau, die ihr allabendlich auf die Pelle rückt, ist fast körperlich spürbar.

Kommissarin wird Bezugsperson

“Sie ist sensibler als andere Menschen und sieht Sachen, die nicht da sind”, sagt ihr Vater fast entschuldigend. Für Winkler ist klar, Talia bildet sich den ganzen Spuk – zwei weitere Zombie-Frauen sitzen eines Nachts auf dem Kachelofen in der Zimmerecke – nur ein. Das Mädchen fühlt sich zu der Kriminalistin, die ihrer Mutter ähnlich ist, hingezogen und “adoptiert” sie kurzerhand – gegen deren Willen.

Talia (Hannah Schiller, re.) klammert sich an Kommissarin Leonie Winkler (Cornelia Gröschel). (Quelle: MDR/MadeFor/Daniela Incoronato)

Diesbezüglich erklärt Winkler-Darstellerin Gröschel gegenüber ARD: “Leo scheut sich davor, Verantwortung für das junge Mädchen zu übernehmen aus Angst, dieser Aufgabe nicht gerecht zu werden und sie letztlich nicht beschützen zu können.” Doch Talia gibt nicht auf, so lässt sich Leonie Winkler irgendwann auf die Rolle als Bezugsperson ein. 

Polizeichef wieder nur Assistent

So ist Winkler dabei, als Talia nachts mit ihrer Taschenlampe in den Park geht, scheinbar getrieben von etwas, das Winkler nicht sieht – und das auch auf dem Handy-Video nicht drauf ist. Der Name der Frau, den Talia nennt, ist die erste Spur in dem Fall – und führt in die Vergangenheit. In der wühlen Gorniak und Schnabel, der wieder einmal den Damen nur assistieren darf.

Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Peter Michael Schnabel (Martin Brambach, Mitte) durchforsten alte Stasi-Akten.(Quelle: MDR/MadeFor/Daniela Incoronato)

Unterdessen wird das Mädchen von drei weiblichen “Geistern” nachts in den Park gedrängt, auf den Boden gestoßen und gezwungen, in der Erde zu graben. Winkler filmt, wie ihre Finger das Gesicht freilegen, das sie in jeder Nacht aggressiv anstarrt. Es ist eine der Szenen, die erschauern lassen. Die Erkenntnis, dass die “Geister” Mordopfer sind, löst bei Talia die Sperre zur Erinnerung.

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Doch die Lösung des Falles gerät am Ende fast zur Nebensache. Vielmehr dominieren das Verhältnis von Talia zu “Ersatzmutter” Winkler und deren seelischer Ballast. “Diese beiden Figuren waren für mich ganz klar das Zentrum, nicht der Mörder”, sagt Drehbuchautor Erol Yesilkaya, der 2019 schon mit dem Fall “Das Nest” den Nerv des Publikums traf. Auch der nunmehr zehnte Fall des Dresdner Teams ist nichts für schwache Nerven. “Er ist zwischendurch aber auch sehr berührend”, so Schauspielerin Karin Hanczewski.

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