Gundermann

Gundermann

09/22/2020

Berlin (dpa) – 20 Jahre nach dem Tod des zugleich beliebten und wegen seiner Stasi-Mitarbeit umstrittenen sächsischen Liedermachers Gerhard Gundermann (1955-1998) kam 2018 ein vielschichtiges Porträt über ihn ins Kino.

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Der Regisseur Andreas Dresen hatte daran mit seiner Stamm-Drehbuchautorin Laila Stieler rund zehn Jahre gearbeitet – es ist ein Stück Zeitgeschichte ohne Schwarz-Weiß-Malerei geworden.

Jetzt ist der preisgekrönte Film auch im TV zu sehen: Anlässlich der Wiedervereinigung vor rund 30 Jahren strahlt der Sender Arte ihn am Mittwoch (20.15 Uhr) aus. Das Erste legt am 30. September (20.15 Uhr) nach.

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Der Film zeichnet ein Bild des Alltags der Arbeiter im Kohlerevier in der DDR. In der Lausitz wurden jede Menge Tagebaue erschlossen. Die Kohleindustrie prägt das Leben der Menschen. Gundermann ist einer von ihnen. Aber: Der Baggerfahrer singt auch – als Musiker macht er sich einen Namen.

Es gibt zwei Zeitebenen in dem Film: vor und nach dem Mauerfall. “Gundermann” mit dem brillanten Alexander Scheer (“Sonnenallee”) in der Hauptrolle ist vor allem ein DDR-Drama, aber auch ein Musik-, Heimat- und Liebesfilm. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Schuld. Der Musiker als Stasi-IM – eindeutige Schubladen “Täter” oder “Opfer” gibt es dafür bei Dresen nicht.

Sein kumpelhafter Führungsoffizier (Axel Prahl) wirbt den Musiker beiläufig an. Bei seinem ersten Spitzel-Einsatz scheitert Gundermann, weil er zu viel trinkt. Tragikomisch wird es, als er in der Küche eines Arbeitskollegen (Milan Peschel) sitzt, um ihm mitzuteilen, dass er IM war. Der Kollege bricht in Gelächter aus, fragt Gundermann: “Und, was haste getratscht?” – Dieser: “Ich hab nur Gutes erzählt. Dass du zuverlässig bist. Da lacht der Kollege und sagt: “Ich war auch bei der Stasi. Ich war hauptsächlich auf dich angesetzt.”

Gundermann war 1976 bis 1984 inoffizieller Mitarbeiter der Staatssicherheit. Unter dem Decknamen “Grigori” berichtete er etwa detailliert über Mitglieder des Singeklubs Hoyerswerda auf West-Reisen. Im Film wird ihm nach und nach klar, wie viel Schuld er auf sich geladen hat.

1984 schloss die Stasi die IM-Akte Gundermanns – und begann, ihn wegen “negativfeindlichem Standpunkt” zu bespitzeln. Zugleich wurde er wegen “prinzipieller Eigenwilligkeit” aus der SED ausgeschlossen. In “Gundermann” spricht er mutig immer wieder Missstände an, etwa fehlende Arbeitssicherheit. “Der Genosse hat den Vor- und Nachteil, dass er ausspricht, was er denkt”, sagt ein Kollege über ihn.

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